Methodik

Befragungen, Interviews und Umfragen stellen wesentliche Aufgaben der wissenschaftlichen Arbeit im Rahmen der Sozialwissenschaften dar. Die zu diesem übergeordneten Aufgabenkomplex gehörenden Teilaufgaben werden auch als Methoden der empirischen Sozialforschung bezeichnet, womit man neben der eigentlichen Durchführung einer Befragung gerade auch die Fragenbogenkonstruktion, die Stichprobenauswahl und die spätere Auswertung der Daten meint. Setzt man das Instrument Befragung ein, geht es gerade nicht nur darum, Strichlisten später in MS Excel- und MS Powerpoint-Dateien für den einmaligen Gebrauch in Form von beschreibenden Diagrammen (Balken-, Torten- und Kreisdiagramme sind hier besonders beliebt) umzuwandeln, sondern möglicherweise auch neues Wissen in Form von Schlussfolgerungen (Mustern, Regeln, Prognosen) bis hin zu ganzen Theorien und Modellen abzuleiten.

Diese Artikelübersicht richtet sich an Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen aus solchen Abteilungen wie Marketing, Personal, Controlling oder Qualitätssicherung wie auch an die Unternehmensleitung von kleinen und mittelständischen Unternehmen, die zusätzlich zu ihrem bestehenden Berichtswesen erweiterte Untersuchungen im Rahmen eines erweiterten Business Intelligence- und Data Mining-Prozesses durchführen wollen. Dabei sollten sie sich dafür interessieren und begeistern, diese Daten in Form von Befragungen insbesondere bei den schon genannten Personenkreisen Kunden, Lieferanten und Mitarbeitern zu erheben. Die notwendigen sozialwissenschaftlichen Grundlagen werden hier vermittelt.

Unternehmerischer Kontext

Befragungen sind eine von zahlreichen Möglichkeiten, Daten zu erheben. Wie im Laufe des Buchs noch deutlich wird, gehören insbesondere auch Beobachtungen dazu, die mit einem entsprechend flexiblen Befragungssystem ebenfalls strukturiert durchgeführt werden könnten. Im Rahmen von Auswertungen und Untersuchungen, die in diesem Buch immer im Kontext von Business Intelligence gesehen und verstanden werden, repräsentieren sie die Option, durch gezielte Datenerhebung bei Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten – also bei den beteiligten Menschen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – Daten zu gewinnen, die in dieser Form insbesondere nicht aus dem betrieblichen Rechnungswesen bzw. einem ERP-System (Enterprise Ressource Planning) zu gewinnen sind. Sie sollen diese Daten ergänzen oder sogar zu ihrer Erklärung und Prognose herangezogen werden.

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Wirklichkeit und Modell

Setzt man die Befragung als Mittel für die Datenbeschaffung ein und verbindet man die so ermittelten Daten mit anderen Daten, die bereits vorliegen oder die aus anderen Quellen extra für die kombinierte Auswertung beschafft wurden, so muss man akzeptieren, dass man sich der empirischen Sozialforschung bedient und damit auch ein bestimmtes Wissenschaftsverständnis akzeptiert. Es ist hier für Projektbeteiligte notwendig, sich damit auseinander zu setzen, dass weder die Datenbeschaffung noch die spätere Auswertung – schon gar nicht eine erklärende, deutende oder prognostizierende Auswertung auf Basis der Befragungsdaten vor dem Hintergrund schon existierender oder schlichtweg nur weiterer Daten – eine reine Arbeit im Bereich Datenverarbeitung ist. Es handelt sich bei einem ernst betriebenem Projekt und einem echten Interesse an einem Erkenntnisgewinn in Wirklichkeit um ein wissenschaftliches Projekt, welches auch auf eine angemessene Weise geplant, durchgeführt und nachträglich ausgewertet werden sollte.

Dieses Kapitel legt einige wesentliche Bausteine, um verschiedene Begriffe, die sich insbesondere aus dem Blickwinkel der Modell- und Theoriebildung ergeben, zu verstehen und voneinander abzugrenzen.

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Bildung von Erklärungen

Auch wenn die Beeinflussung des Verhaltens von Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten sehr wohl im Interesse eines Unternehmens liegt und dieses Ziel wohl auch als wesentliches Ziel von Investitionen in dem Bereich der Datenauswertung und –erhebung gesehen werden kann, steht dies nicht im Vordergrund für die sozialwissenschaftliche Forschung. Hier geht es eher um das Ziel, Erklärungen für das Verhalten der beobachteten Personen oder die Strukturen und Phänomene innerhalb der sozialen Umwelt zu finden. Erklärungen lassen sich in verschiedene einzelne Komponenten zerlegen und auf unterschiedliche Weise gewinnen. In diesem Kapitel werden nun genau diese Komponenten und Vorgehensweisen vorgestellt.

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Operationalisierung und Messung

Ausgehend von nominal definierten Begriffen möchte man im Rahmen einer Studie, die mit den Mitteln der empirischen Sozialforschung arbeitet, die Eigenschaften (Qualität) und ihre Ausprägungen (Quantität) der die Begriffe in der Wirklichkeit repräsentierenden Phänomene erfassen, genauer beschreiben oder nachweisen. Dies kann dann in vielfältiger Weise genutzt werden, wobei hier die reine Beschreibung meistens nur ein erster Schritt ist. Ihm schließt sich an, auf Basis der ermittelten Eigenschaften und ihrer Zusammenhänge untereinander wiederum Prognosen über das Auftreten oder die zukünftige Entwicklung des Phänomens zu treffen, evtl. es auch in der Vergangenheit zu entdecken und Schlussfolgerungen über davon beeinflusste Gegebenheiten in der Vergangenheit zu treffen. Mit einer Reihe von Phänomenen, die in Beziehungen und Wechselwirkungen zueinander stehen, kann man Theorien bilden, die in einem größeren Zusammenhang eingebettet sind oder genau diesen Zusammenhang für andere Phänomene bilden. In diesem Kapitel geht es nun darum, die verschiedenen Techniken und Begrifflichkeiten zu klären, welche für die Messung, d.h. die eigentliche Tätigkeit des Nachweisens von Ausprägungsmerkmalen und ihren einzelnen Werten, notwendig sind.

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Stichprobe

Man kann zunächst einmal unterscheiden, ob man eine Total- oder Teilerhebung durchführt. Im ersten Fall untersucht man wirklich alle zur Verfügung stehenden Objekte, im anderen Fall dagegen führt man diese Untersuchung nur auf einem Ausschnitt der so genannten Grundgesamtheit durch. Mit diesen erhobenen Daten schließt man dann auf die entsprechenden Daten der Grundgesamtheit, wobei im einfachsten Fall die gleichen Werte gelten sollen und zur korrekten Abbildung zwischen Stichprobe und Grundgesamtheit Intervalle gebildet werden, in denen der erwartete Wert der Grundgesamtheit liegt. Dies ist Aufgabe der induktiven/schließenden Statistik. Auch wenn in vielen Untersuchungen auf diesen Umstand gar nicht weiter hingewiesen wird, d.h. man gar nicht erfährt, ob die ermittelten Eigenschaften nun auch für einen größeren Zusammenhang gelten sollen oder einfach nur die Werte aus der Befragung präsentiert werden, ist es für eigene Untersuchungen selbstverständlich von entscheidender Bedeutung, ob man Rückschlüsse auf eine Grundgesamtheit vornehmen will, lediglich die Daten der durchgeführten Befragung aufbereitet oder ob man sogar alle denkbaren Objekte der Grundgesamtheit untersucht hat.
Dieser Abschnitt führt zunächst in die verschiedenen grundsätzlichen Begrifflichkeiten und Überlegungen, die in diesem Themenbereich wesentlich sind, ein und stellt dann für die Standardaufgabe, dass Daten für die Grundgesamtheit an einer Stichprobe derselben ermittelt werden, verschiedene Verfahren vor, mit denen schließlich die Elemente der Stichprobe bestimmt und dann die erhobenen Werte auch grundsätzlich so verarbeitet werden, dass man die Eigenschaften der Grundgesamtheit von ihnen ableiten kann.

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Datenerhebung

Stehen das interessierende Phänomen, die es erzeugenden oder beeinflussenden Indikatoren sowie auch die zu ihrer Messung wiederum notwendigen Fragen/Items fest, geht es daran, sich für eins von verschiedenen Verfahren der Datenerhebung zu entscheiden. In diesem Buch geht man natürlich im Wesentlichen davon aus, dass dies eine Befragung und bspw. kein Labor-Experiment ist. Die Befragung an sich lässt sich allerdings auch auf verschiedene Weisen durchführen, wobei sich insbesondere die Differenzierung in eine schriftliche und mündlich Variante aufdrängt. In diesem Abschnitt sollen auch diese beide Formen sowie die strukturierte Beobachtung kurz vorgestellt werden. Andernorts unterscheidet man bspw. die Befragung von der Beobachtung und der Inhaltsanalyse. Diese ebenfalls gängige Unterteilung wird hier jedoch nicht verwendet, weil bei betriebsnahen Untersuchungen gerade auch die schriftliche und hierbei vor allen Dinge eine im Internet durchgeführte Untersuchung mit einem elektronischen Fragebogen aus Kostengründen besonders häufig im Einsatz sind. Hier kann man dann eine große Unterscheidung zwischen einer von einem Interviewer durchgeführten und einer mit Hilfe einer Online-Anwendung durchgeführten Befragung treffen, die auch in diesem Abschnitt vorgestellt werden soll.

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Fragen und ihre Eigenschaften

Nachdem das Phänomen, welches zu untersuchen ist, durch eine Vor-Analyse definiert ist und auch die Teilnehmer, welche für die Untersuchung des Phänomens herangezogen werden sollen, durch eine Stichprobe geklärt sind und auch klar geworden ist, dass eine neue Datenerhebung in Form einer schriftlichen Befragung, eines Interviews oder einer Beobachtung durchgeführt werden soll, kann man sich daran setzen, den Fragebogen zu konstruieren. Dabei gibt es – wie man sich leicht vorstellen kann – eine ganze Reihe an Aspekten, die - sich teilweise überschneidend - zu berücksichtigen sind. Die Auswahl der Fragen hängt von den Indikatoren, die für die Messung des Phänomens oder den es konstituierenden Eigenschaften der Teilnehmer genauso ab wie ihre genaue Formulierung und Darstellung der Fragen und Antworten oder von der Zielplattform, die für den Fragebogen bzw. die gesamte Befragung zum Einsatz kommen soll. Auch wenn man spontan immer an eine Online-Befragung denkt, so ist doch gerade in großen Zusammenhängen wie bspw. einer weltweit angebotenen Befragung sowohl der Einsatz mehrerer Medien (Papier & Bleistift und gleichzeitig eine Online-Variante des Fragebogens) genauso zu berücksichtigen wie Mehrsprachigkeit oder lokale Besonderheiten bei der Frage-Formulierung sowie gesetzliche Restriktionen bei der Indikatoren-Auswahl bzw. ihrer Messung.

Dieses Kapitel versucht nun in einem ersten Teil, die verschiedenen Frage-Arten zu strukturieren und sie miteinander zu vergleichen. Danach folgen Überlegungen, welche die so genannte Dramaturgie des Fragebogens betreffen. Damit sind sein Aufbau und ggf. auch seine Interaktivität gemeint, die natürlich nur in einer elektronischen Auslieferung optimal glänzen kann.

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Fragebogen-Konstruktion

Nach der Darstellung der verschiedenen Typologien, mit denen man die Fragen in einem Fragebogen einteilen und ordnen kann, folgt nun eine eher makroskopische Aufnahme des gesamten Fragebogens und seiner einzelnen Bestandteile. Hier hat die Frage natürlich eine zentrale Rolle inne, ist aber Teil eines Gesamtgefüges, das flexibel je nach Anforderung und erforderlichen Komplexität der Untersuchung höchst unterschiedliche Formen anneh-men kann. Wie schon bei der Darstellung der verschiedenen Fragearten erwähnt, so muss man auch hier darauf hinweisen, dass es keine völlig gesicherten Erkenntnisse über die Konstruktion von Fragebögen gibt, d.h. man bewegt sich immer noch in der Hemisphäre einer Kunstlehre und nicht einer in sich abgeschlossenen Theorie. Ein Kochbuch, aus dem man sich seinen Fragebogen nach einem Rezept auswählen kann, ist noch nicht gefunden worden.

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Statistische Auswertung

Die Arbeitstechniken der empirischen Sozialforschung, die sich auch für Unternehmen nutzen lassen können, bestehen nicht nur daraus, überhaupt Daten durch eine strukturierte Erhebungsform wie einen Fragebogen zu sammeln, sondern bieten auch Werkzeuge, sie auszuwerten bzw. im Rahmen der Auswertungen ganze Modelle und Erklärungssysteme abzuleiten. Dabei greift man auf Methoden der Statistik sowie des Data Mining zurück. Sie sollen in diesem Kapitel überblicksartig vorgestellt werden. Im Fokus steht dabei zu zeigen, dass die Beschaffung der Daten und ihre spätere Auswertung typische Schritte in einem Prozess darstellen, der dadurch zusammen gehalten wird, dass Annahmen oder allgemeines Vorwissen sowie Erwartungen über Zusammenhänge mit offensichtlich geeigneten Indikatoren zu interessierenden Phänomenen über Fragen, die man Versuchspersonen stellt oder Objekten unterwirft, zur Datenbeschaffung oder –anreicherung genutzt werden, die dann im Rahmen der Auswertung zur Bestätigung oder Revision der Modellannahmen sowie natürlich zum allgemeinen Wissenserwerb dienen.

Dabei kommt also den Techniken, die in diesem Buch beschrieben werden, die reine Funktion der Beschaffung der Daten zu. Dies bezieht sich sowohl auf die Ableitung der möglichen Indikatoren, die für die Messung der interessierenden Phänomene geeignet sind, wie auch auf die tatsächlich Messung durch die Techniken Befragung oder Beobachtung mit ihren jeweiligen verschiedenen Unterformen. Die eigentliche Auswertung soll hier kurz angerissen werden, um zu zeigen, welche Darstellungs- und Analysetechniken generell bereit stehen, ohne jedoch auf ihre jeweiligen Fundamente ausführlich eingehen zu können. Zusätzlich finden sich einige Hinweise dazu, wie man die Daten präsentieren oder verbreiten kann.

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