Erklärungen als Ziel

Eine sozialwissenschaftliche Erhebung findet insbesondere im Rahmen einer betrieblichen Untersuchung nicht ohne die Perspektive statt, aus der gewonnen Erklärung einen Nutzen in Form von Prognosen oder normativen Handlungsempfehlungen abzuleiten. In diesem Abschnitt folgen einige Überlegungen zu der besonderen Bedeutung von Erklärungen, d.h. den Ergebnissen von Studien und Befragungen im Kontext der Unternehmung und dann eine Beschreibung, was eigentlich eine Erklärung in diesem Zusammenhang darstellt.

Nutzung von Erklärungen

Mit einer Erklärung jedoch ist es einem Unternehmen alleine normalerweise nicht genug, denn zu wissen, warum die Kundenzufriedenheit gesunken, die Anzahl der Arbeitsunfälle nach Wochenenden besonders hoch oder die Investitionen im betriebliche Weiterbildung zu den besten Ergebnissen führen, wenn dies auch mit einer Reise in eine deutsche Großstadt verbunden ist, sind als reine Informationen nicht zu verwenden. Vielmehr geht es darum, einen positiven Trend zu verstärken, Schwächen und Stärken des Unternehmens oder einzelner Prozesse herauszuarbeiten und natürlich konkrete Schwierigkeiten zu beheben. Es ist also ein Ziel, gerade die Anzahl der Arbeitsunfälle nach dem Wochenende durch geeignete Maßnahmen zu verringern oder die Ergebnisse von betrieblicher Weiterbildung so zu steigern, dass die Investitionen in diesem Bereich Nutzen stiftend angelegt sind.

Wenn man über Manipulation und Beeinflussung spricht und dies möglicherweise auch noch in Zusammenhang mit Menschen oder einer Gruppe wie Mitarbeiter, zu der man ja auch selbst gehört, hat dies sofort einen sehr unangenehmen Beigeschmack. Kunden zu beeinflussen scheint dagegen ein halbwegs gewöhnliches Ziel, dessen Verfolgung man sich ohnehin entziehen kann, da ja in der einen oder anderen Weise doch immer wieder auch eine Umsatzsteigerung erreicht oder wenigstens kein Rückgang zugelassen werden darf, denn dann gerät man auch selbst unter Kostendruck und muss befürchten, nach einer gewissen Zeit die Konsequenzen für den wirtschaftlichen Rückgang zu tragen. Die Beeinflussung von Lieferanten liegt dann sicherlich auf der in diesem Gedanken angedeuteten Skala eher zwischen den beiden anderen erwähnten Personengruppen, da man zu ihnen auch Mitarbeiterperspektive nicht einen so direkten und persönlichen Bezug hat. Hier könnte man auch noch sagen, dass eine entsprechende Beeinflussung für die eigene wirtschaftliche und persönliche Situation im Unternehmen, wenn man in irgendeiner Weise an der Schnittstelle zur externen Beauftragung angesiedelt ist, eher positiver als negativer Natur ist. Die gute Betreuung von externen Projekten, deren Ergebnisse intern genutzt oder weiter verwendet werden, ist sicherlich für die Arbeitsorganisation durchaus von einiger Bedeutung.

Doch auch der eher kritisch angesehene Aspekt der Erkenntnisnutzung von empirischer Sozialforschung in Form von Mitarbeiterbefragungen für die Beeinflussung von Mitarbeitern muss sich durchaus nicht nur in mehr Kontrolle und stärkerer Aufgabenplanung und Strukturierung des Betriebsalltags von Mitarbeitern niederschlagen. Gerade in letzter Zeit haben viele Unternehmen erkannt, dass gerade die Motivation von entscheidender Bedeutung für die Qualität der Arbeitsergebnisse ist und wenige die ständige Kontrolle. Dieses Ergebnis muss natürlich wiederum in Abhängigkeit vom Bildungsniveau und auch einer allgemeinen Lebenseinstellung sowie der inneren/intrinsischen Motivation der Belegschaft gesehen werden. Allgemein gesagt, wird man wohl zustimmen, dass es nachvollziehbar ist, dass die Umsetzung von Soziallösungen wie bspw. ein Kindergarten, verbesserte Kantinenqualität oder einfach flexiblere Arbeitszeiten, mit denen die Balance zwischen Beruf und Privatleben besser austariert werden kann, durchaus auch im Sinne von abhängig Beschäftigten sein kann.

Doch eigentlich ist es grundsätzlich unerheblich, wie der Einzelne zur Beeinflussung der genannten Personengruppen steht. Ob man bei der Einrichtung von Betriebskindergärten überhaupt negativ von Beeinflussung sprechen sollte, um damit ihre Einrichtung zu verhindern, oder ob dies einfach die Berücksichtigung von sozialen Forderungen ist, denen das Unternehmen natürlich auch mit einem gewissen ökonomischen Hintergedanken und nicht nur aus reiner Philanthropie nachzukommen versucht, ist letztendlich auf eine weiteren Ebene angesiedelt, die den Rahmen dieser Überlegungen sprengen würde und für die es vermutlich auch keine abschließende von allen geteilte Meinung geben wird.

Wichtig ist dagegen festzuhalten, dass gerade bei der Durchführung von sozialwissenschaftlichen Studien im Unternehmen und der Anwendung der hier beschriebenen Methoden nicht nur die alleinige Ableitung von Modellen und Theorien im Vordergrund steht. Stattdessen muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Erkenntnisse und der Besitz von neuen Erklärungen für soziale Phänomene, die das Geschick des Unternehmens tangieren, auch dazu genutzt werden sollen, um die übergeordneten Ziele des Unternehmens zu verfolgen.

Erklärungen von Erklärungen

Der Begriff Erklärung selbst erfordert eine eigene Beschreibung, denn im Allgemeinen kann man auch unter einer Erklärung eine einfache Definition für einen Begriff verstehen. Bei der Mitarbeitermotivation oder der Kundenzufriedenheit wäre diese Definition dann möglicherweise noch mit einigen Unterscheidungen und verschiedenen Varianten des zu erklärenden Begriffs oder einigen Beispielen angereichert worden. Unter einem solchen Text kann man sich dann auch sehr wohl in der Alltagssprache eine Erklärung vorstellen, welche aber nicht die gleiche Bedeutung wie in der empirischen Sozialforschung aufweist. Daher sollen in diesem Abschnitt verschiedene Varianten von Erklärungen aufgezeigt und voneinander unterschieden werden.

Schon als Einleitung sei gesagt, dass man nur dann in der Forschung von einer Erklärung sprechen kann, wenn verschiedene Qualitätsstandards erfüllt sind. Die Art und Weise, wie sie überhaupt abgeleitet werden, muss nachvollziehbar und eindeutig sein, wobei insbesondere auch nachvollziehbare und möglichst wiederholbare Datenerhebungen zu ihrer Unterstützung als empirisches Material verwendet wurden.

In einem neuen Beispiel kann man nun folgendes Szenario nehmen:

In einem Hotel ist die Auslastung während der Woche sehr hoch, am Wochenende allerdings sehr gering. Man möchte als übergeordnetes Ziel die Auslastungsquote am Wochenende verständlicherweise erhöhen, ist sich aber nicht sicher, mit welchen Maßnahmen man hier vorgehen könnte, d.h. ob einfach konventionelle Werbung in Buchungsportalen, eine Mailing-Aktion oder eine einfache Preisreduktion für die Wochenend-Nächte ausreichen oder gar keine von diesen Varianten die richtige Lösung wären. Bevor man nun Maßnahmen ergreifen will, möchte man aber zunächst überhaupt das Buchungsverhalten der eigenen Gäste herausfinden und ermitteln, welche Gästestruktur die hohe Auslastung unter der Woche bewirkt, welche Gründe die Gäste besitzen, das Hotel überhaupt zu buchen und ob dies möglicherweise auch eine Erklärung für die ausbleibenden Gäste am Wochenende sein könnte.

Hier kann man sich schon vorstellen, dass ein Teil der Daten zur Untersuchung aus den bereits gesammelten Daten der Buchhaltung stammt, um schon einmal die Kundenstruktur (Verteilung nach Geschlecht, Alter, Firmen-/Privatadressen und geographische Herkunft) grob zu unterscheiden. Man kann sich allerdings auch vorstellen, dass über eine Befragung insbesondere wieder die Motivationen und persönlichen Beweggründe für eine Buchung in diesem Hotel ermittelt werden können. Diese beiden Datenbasen lassen sich dann weiter nutzen, um zu einer Erklärung dazu zu kommen, warum auf der einen Seite eine hohe Auslastung an den Wochentagen und andererseits eine so geringe Quote am Wochenende erreicht wird. Außerhalb der Erläuterungen in diesem Abschnitt zeigt dieses Szenario auch wieder, welche Möglichkeiten sich beim Einsatz von Befragungen in Kombination mit der Auswertung von schon vorhandenen Daten bieten bzw. welche Einsatzbereiche überhaupt der gesamte Einsatz von sozialwissenschaftlichen und statistischen Methoden im Unternehmen haben kann. Ein Teil der gesamten Untersuchung und damit später auch des entsprechenden Auswertungsberichts lassen sich mit schon bekanten darstellenden Mitteln der deskriptiven Statistik erreichen, denn hier geht es zunächst um Häufigkeitsverteilungen und eine Situationsbeschreibung, evtl. auch Darstellungen in unterschiedlichen Pivottabellen, um vor allen Dingen zunächst eine Übersicht über die Gästestruktur aufgegliedert nach den gängigen demographischen Merkmalen zu erhalten.

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