Grundsätzlich können Papier- und Online-Fragebögen, d.h. auch alle Arten von elektronischen Fragenbögen, durchaus mehr an Komplexität und Teilnehmersteuerung bieten als einfach nur eine Darstellung von Fragen, die von oben nach unten dargeboten werden. Elektronische Fragebögen erlauben dabei eine aus verschiedenen Aspekten besonders attraktive Liste an Vorteilen, die von den Vorteilen von Papierfragebögen mit steigender Computerisierung und Verfügbarkeit von elektronischen Auslieferungsmedien sicherlich nicht überrundet werden können. Man kann für den Benutzer unsichtbar eine komplexe Fragebogensteuerung hinterlegen, zahlreiche grafische Varianten von Skalen und Fragen anbieten sowie den gesamten Fragebogen interaktiv gestalten und somit zu einer dynamischen Oberflächenkonstruktion gelangen. Ein Papierfragebogen bietet dagegen den Vorteil, dass er weitestgehend ohne besondere Voraussetzungen ausgefüllt werden kann und dadurch alle möglichen Teilnehmer erreichen kann, die bspw. nicht noch besondere technische Voraussetzungen erfüllen müssen.
Ein Fragebogen kann verschiedenen Konstruktionsprinzipien folgen, wobei die einzelnen Teile wie bei einem Kochrezept als Zutaten betrachtet werden können, die in einem Fall vorhanden oder ausgelassen werden oder die in mehr oder weniger starker Ausprägung auftreten. Dies hat zunächst nichts damit zu tun, wie ein besonders guter, schöner oder erfolgreicher Fragebogen aussehen soll, sondern in erster Linie mit möglichen Ingredienzen, die man verwenden kann.
Die einzelnen Teile, aus denen sich der Fragebogen zusammen setzen kann, wurden bereits weiter oben kurz dargestellt und seien hier nur noch einmal zur Wiederholung erwähnt: Man kann den gesamten Fragebogen als Kombination aus einem Mantel und dem eigentlichen Fragenkatalog verstehen. Der Mantel besteht aus allgemeinen Texten, ganzen Seiten oder sonstwie gearteten Bereichen, deren Darstellung von der Auslieferungsweise abhängt. Diese Texte enthalten einen Titel, eine Einführung in die Fragebogenthematik sowie eine Danksagung zu Beginn und Ende, die sich noch direkter als die Einführung an den Teilnehmer richtet, um ihn für die Teilnahme zu gewinnen und sich für die tatsächliche Teilnahme zu bedanken.
Man sollte in gar keinem Fall die Teilnahme als Selbstverständlichkeit hinnehmen. Ein kurzer Fragebogen ist selbstverständlich schnell ausgefüllt. Dies bedeutet aber nicht, dass dann trotzdem die wenigen Fragen mit guter Konzentration beantwortet worden sind, sondern vielleicht nur besonders schnell, weil die Teilnahme aus irgendeinem Grund doch als (lästige) Pflicht oder als Zeichen der Höflichkeit erschien. Ein umfangreicher Fragebogen, der vielleicht sogar eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, erlaubt es für das Forschungsteam zwangsläufig, auch komplexe Phänomene anhand von mehreren Indikatoren zu testen und sogar Kontrollfragen und gute Validierungen einzubauen, ist allerdings auf freiwilliger Basis normalerweise nur dann erfolgreich, wenn der Teilnehmer selbst auch einen positiven Nutzen für sich erkennen kann, der direkt damit zu tun hat, dass er seine Meinung und seine Ansichten mitgeteilt hat. Noch längere Fragebögen sind dann vermutlich nur in einer eigenen Befragungssituation, bei der evtl. sogar ein Ansprechpartner für Rückfragen zur Verfügung steht, durchführbar. Kurz und gut: in allen Fällen aber ist eine dialogorientierte positive und direkte Ansprache notwendig und im Grunde genommen sogar eine Verpflichtung, weil andere Menschen hier Zeit investieren, die sie selbstredend auch anderweitig hätten einsetzen können.
Dem Mantel und seinen Teilen, die nicht direkt dem Fragenkatalog zugeordnet werden können, kommt also eine hohe Bedeutung zu. Allerdings ist der Umfang diese Teile nicht proportional zu seiner Bedeutung für den Erfolg des Fragebogens, sondern nimmt der Fragenkatalog als Kernstück des gesamten Fragebogens naturgemäß den größten Teil ein. Auch hier ist, wie man später noch sehen wird, darauf zu achten, dass der Teilnehmer sich ernst genommen fühlt und er, so gut es geht, Interesse und Freude empfindet, sich mit den Fragen auseinander zu setzen.
Dieser Fragenkatalog steht nun zunächst im Vordergrund. Er kann sich wieder aus zwei verschiedenen Bausteinen zusammen setzen: Zum einen gibt es die meistens auch mit ihrer Reihenfolge von vornherein vorgegebenen Fragen, die in einzelnen Gruppen sortiert/geordnet und in meist auch vordefinierten Anzeigen/Bereichen dargestellt werden. Zum anderen gibt es bisweilen in besonderen Befragungssituationen die Möglichkeit, dass der Teilnehmer Fragen zurückstellen kann, um sie dann später zu beantworten, wenn alle anderen für ihn zunächst leichter zu bearbeitenden Fragen beantwortet wurden. Dies ist der Fall bei einer Prüfung, die mit einem Befragungswerkzeug erstellt, organisiert und durchgeführt wird, kann allerdings auch sinnvoll für eine Standard-Befragung zum Einsatz kommen. Hier bietet man dem Befragten nämlich zusätzlich die Möglichkeit an, Fragen noch einmal zu korrigieren oder sie tatsächlich erst einmal nur zurückzustellen, um sich mit ihnen besser auseinander zu setzen.
Der Aufbau und der Ablauf, der im Fragenkatalog umgesetzt sein kann, sind auch in der Abbildung noch einmal illustriert. Zunächst zeigt sie die Fragen, welche in verschiedenen Gruppen dargestellt werden. Jede Frage ist dabei in einer Gruppe untergebracht, was bei den meisten Befragungssystemen auch dann der Fall wäre, wenn es nur wenige oder nur eine einzige Frage gäbe. Die Gruppierung kann verschiedene Gründe haben. Man möchte bspw. einen Titel oder einen einleitenden Text vergeben. Bei großen Befragungen kann es auch schon einmal mehr als 50 oder sogar 100 Fragen geben. Ihre Erarbeitung und die Planung solcher Listen erfolgt im konkreten Projekt weniger über die Nummer oder den Text der Frage, die sich ja beide sowieso entweder ändern oder ohnehin selbst ein eigener Entscheidungspunkt sein können, sondern über die vielleicht doch eher überschaubaren 10 oder 15 Fragengruppen. Auch später bei der Auswertung ist es dann wahrscheinlich, dass man sich einzelne Gruppen besonders herauspickt oder eine Gruppe für einen Indikator steht, diese Ergebnisse weiter verdichtet/aggregiert oder in Zusammenhang mit den verdichteten Werten anderer Gruppen gestellt werden. Auch für die Fragebogensteuerung kann eine Gruppierung von Bedeutung sein, denn oft entscheiden Filterfragen oder besondere schon vorab bekannte Eigenschaften von Teilnehmern darüber, ob eine Gruppe angezeigt und damit zur Beantwortung vorgelegt werden soll oder nicht.
Eine solche Gruppe kann sehr umfangreich werden bzw. mehr Fragen enthalten als man eigentlich auf einer Druck-Seite oder einer Bildschirmseite darstellen will. Dies hängt normalerweise mit der einfachen Überlegung zusammen, dass der Fragebogen ja mit Interesse ausgefüllt werden soll und nicht wie ein kompliziertes, eng beschriebenes und fast schon Furcht einflößendes Finanzamt-Formular. Übersichtlichkeit und auch das Gefühl, schon einige Seiten beantwortet zu haben, also zügig mit dem gesamten Fragebogen voranzukommen, sollen den Teilnehmer entsprechend motivieren und beflügeln. Bei einer entsprechend viele Fragen umfassenden Gruppe ist es dann auch denkbar, dass aus Gründen dieser Motivation mehrere Ansichten für eine Gruppen verwendet werden sollen. Dies kann auch notwendig werden, wenn der gleiche Fragebogen auf noch mehr Plattformen als nur in einer gedruckten und einer elektronischen Variante ausgeliefert werden soll. Insbesondere der Einsatz eines Befragungswerkzeugs für eine strukturierte Beobachtung, die bspw. mit einem PDA durchgeführt wird, erfordert eine spezielle Raumaufteilung und Formatierung.
Neben den Standardansichten, die in dieser Form wirklich in jedem Werkzeug erstellt und ausgeliefert werden sollten, gibt es in besonders funktionsreichen Systemen auch noch die Möglichkeit, Fragen zurückzustellen bzw. zu überspringen. Hier markiert der Teilnehmer entweder ein spezielles Oberflächen-Element wie einen Zurückstellen-Button oder er beantwortet eine Frage einfach zunächst nicht, sondern setzt die Bearbeitung des Fragebogens mit der nächsten Frage fort. Im einen Fall handelt es sich um ein bewusstes Zurückstellen, im anderen Fall ist es gar nicht so eindeutig zuzuordnen, ob er eine Frage gar nicht erst beantworten wollte oder sie tatsächlich überspringen und auf Wiedervorlage setzen wollte. In beiden Fällen jedoch ist es von Interesse, eine Möglichkeit zu bieten, solche Fragen erneut anzuzeigen, sei es auf einer letzten Seite als Erinnerung/Aufforderung oder durch eine selbstständige Aktion durch den Teilnehmer.
Schließlich können der Ablauf und der (dynamische) Aufbau eines Fragebogens auch noch von den Antworten selbst abhängen. Hier lassen sich verschiedene Stufen an Interaktivität und Dynamik denken. Ein Standardfall ist bspw. die automatische Überprüfung und Validierung, wie sie in jedem Formular erwartet wird. Dies betrifft in einem Fragebogen ganz ähnliche Fälle wie die Überprüfung, ob eine ausreichende Anzahl an Antworten überhaupt gegeben wurde, ob Datentypbeschränkungen wie Datum/Zahl/Text sowie feinere Eigenschaften beachtet worden sind, oder einfache Plausibilitätsprüfungen wie bei der Verteilung einer maximalen Punktzahl auf mehrere Kategorien. Ein erweiterter Fall beschreibt die Reihenfolge eines Fragebogens. Hier kann man sich gut vorstellen, dass nur dann eine Frage bzw. eine Fragengruppe angezeigt bzw. in einer neuen Ansicht geöffnet werden soll, wenn eine bestimmte Frage schon bearbeitet, d.h. überhaupt beantwortet wurde. Eine so genannte Filterfrage ergänzt dieses Konzept, indem nicht nur überhaupt geprüft wird, ob eine Antwort gegeben wurde, sondern ob diese Antwort auch einen bestimmten Wert hat. Sie filtert dann die Teilnehmer heraus, welche zusätzliche weitere Fragen beantworten sollen oder welchen eine spezielle Fragengruppe gar nicht erst vorgelegt werden soll. Auch die Plausibilitätsprüfung lässt sich noch konzeptuell erweitern, indem nämlich eine ganz neue Frage für diese Prüfung zum Einsatz kommt. Kontrollfragen können entweder erst später bei der Auswertung oder auch direkt interaktiv im Fragebogen berücksichtigt werden. In diesem letzten Fall könnte die nicht plausible Frage oder beide nicht zusammen passenden Fragen mit ihren bisherigen Antworten erneut angezeigt werden.
Geht man nun noch weiter in den Fragebogen hinein, befindet man sich auf der nächsten Ebene in einer Ansicht wie auf einer Seite in einem gedruckten Fragebogen oder einer Bildschirmseite und auch innerhalb einer Fragengruppe. Diese Ansicht hat zumeist einen Titel, damit der Teilnehmer sich auch besser in der Struktur des Fragebogens zurechtfinden kann. Sollte die Gefahr bestehen, dass durch die Struktur ein Thema den Hintergrund aufspannt, vor dem die Fragen dieser Gruppe beantwortet werden, was wiederum deren Antworten tendenziell beeinflussen kann, dann würde dieser Titel möglicherweise fehlen und wäre nur für die Planung und Auswertung beim Projektteam bekannt und in Benutzung.

Innerhalb einer Fragegruppe oder ausgehend von der Anzeige - auch davor können überleitende, einführende oder sonstige erklärende Texte stehen. Diese sind in der Abbildung und in dieser Darstellung als Hinweise angegeben. Als Hinweis soll ein Text gelten, der vom Umfang her nicht mit der gesamten Einleitung eines Fragebogens vergleichbar ist und auch von der Optik her nicht die gleiche Komplexität (Listen, Tabellen, Bilder, mehrere Absätze und Textformatierungen) erreicht wie ein solcher Einleitungstext. Nichtsdestoweniger sind natürlich beide Textarten letztendlich von der Erstellung, der Darstellung und Technik (sicherlich HTML bei einem Online-Fragebogen) vergleichbar.
Schließlich enthält natürlich eine Fragengruppe die einzelnen Fragen. Sie können Fragentexte sowie evtl. weitere Texte enthalten, wobei die im Normalfall dann weniger als Hinweis-Text erfasst werden, sondern als zu dieser Frage gehörig. Man kann sich in einer einfachen Variante, die auch sicherlich in vielen Fällen genügt, vorstellen, dass eine Frage nur in einer Gruppe vorhanden ist. In einer komplexen Variante könnte man die gleiche Frage in mehreren Gruppen verwenden. Dies würde allerdings nur Sinn machen, wenn in zwei bedingten/gefilterten Ansichten die gleiche Frage erscheinen soll, weil sie als Überleitungs- oder Abschlussfragen für beide Teilnehmergruppen/Fragengruppen Sinn macht. Sofern es sich nicht grundsätzlich anders gestalten lässt und diese Frage bspw. nach der Filterung erst erscheint, könnte man sie auch doppelt erfassen und dann in der Auswertung als gleiche Frage berücksichtigen. Optimal ist in einem solchen Fall allerdings doch eher die Zuordnung der gleichen Frage zu zwei Gruppen, da es im Wesentlichen nur um ein Anzeige-/Darstellungsziel geht und nicht zwei verschiedene Items/Merkmale geprüft werden sollen.
Die Abbildung deutet übrigens darüber hinaus eine Variante an, bei der in einer Anzeige, die bei einem Online-Fragebogen dann scrollbar wäre, mehrere Fragegruppen nacheinander angezeigt werden. Auch dies ist denkbar und ein pragmatischer Weg, wenn sehr viele kurze Fragen zu bearbeiten sind und daher zu kurze Anzeigen nur ungewöhnlich wirken könnten.

Methodisch besonders schwer zu erfassen und in ihren Auswirkungen nur mit größter Mühe auf die Antworten abzuschätzen, sind die so genannten Effekte im Fragebogen. Es ist eine altbekannte Überlegung, dass die Beobachtung im Feld gleichzeitig auch das Feld verändert bzw. dass es Rückkoppelungen zwischen dem beobachteten Objekt und dem Beobachter gibt, sobald das beobachtete Objekt sich seiner Situation bewusst wird. Man muss nicht unbedingt davon ausgehen, dass alle Effekte in diesem Bereich nur negativ für die Qualität der Befragungsergebnisse sind, doch ist es wichtig zu berücksichtigen, dass man durch die Formulierung von Fragen und ihre Reihenfolge sowie durch die gesamte Situation der Befragung eine andere soziale Situation schafft als bei einem Gespräch unter Freunden, mit Nachbarn oder Arbeitskollegen sowie natürlich auch bei einer stillen Minute, in der man sich mit den bspw. im Fragebogen gestellten Themen alleine auseinander setzen würde. Verschiedene solcher Effekte sollen in diesem Abschnitt dargestellt werden.
Diese Effekte lassen sich in verschiedene Kategorien aufteilen, wobei in diesem Fall die beiden verschiedenen Befragungssituationen Interview und Fragebogen als Unterscheidungsmerkmal verwendet werden. Zusätzlich werden noch ganz allgemeine Effekte dargestellt, die überhaupt in einem Gespräch mit Fragen entstehen könnten. Nichtsdestoweniger gilt aber auch, dass viele Effekte, die direkt durch die Abfolge und die Formulierung von Fragen im Fragebogen hervorgerufen werden, auch im Interview entstehen können. Hier handelt es sich aber um eine künstliche oder wenigstens ungewohnte Gesprächssituation, die zusätzliche Fremdeinflüsse bietet.
Der Teilnehmer ist sich bei einem Interview zumeist deutlicher bewusst, dass er tatsächlich als Untersuchungsobjekt betrachtet wird. Doch auch bei einer Bildschirm-Befragung ist einem Teilnehmer klar, dass im Regelfall nicht an seiner persönlichen individuellen Meinung Interesse besteht, sondern diese vielmehr als Fall, Messung oder Datensatz betrachtet wird und damit deutlich anders bewertet wird als in einer alltäglichen Situation. Da sich der Teilnehmer der Untersuchungssituation bewusst ist, ist es ihm möglich, auf die Datenerhebung zu reagieren. Daher nennt man solche Verfahren auch reaktive Messverfahren. Ein tatsächliches Verhalten oder die Reaktion auf eine Datenerhebung kann man dann wiederum mit dem Begriff der Reaktivität bezeichnen.
Der Teilnehmer ist sich bei einem Interview zumeist deutlicher bewusst, dass er tatsächlich als Untersuchungsobjekt betrachtet wird. Doch auch bei einer Bildschirm-Befragung ist einem Teilnehmer klar, dass im Regelfall nicht an seiner persönlichen individuellen Meinung Interesse besteht, sondern diese vielmehr als Fall, Messung oder Datensatz betrachtet wird und damit deutlich anders bewertet wird als in einer alltäglichen Situation. Da sich der Teilnehmer der Untersuchungssituation bewusst ist, ist es ihm möglich, auf die Datenerhebung zu reagieren. Daher nennt man solche Verfahren auch reaktive Messverfahren. Ein tatsächliches Verhalten oder die Reaktion auf eine Datenerhebung kann man dann wiederum mit dem Begriff der Reaktivität bezeichnen.
Es gibt eine Reihe von Effekten, die direkt durch den Fragebogen selbst verursacht werden können oder die in jeder Gesprächssituation, in der konkrete und strukturierte Fragen wie bei einer Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einer Zeugenbefragung sowie einer öffentlichen Situation gestellt werden, auftreten können.
Neben den Effekten, welche durch die Situation der Befragung bzw. durch die allgemeine Frage-Antwort-Situation, in der sich insbesondere der Teilnehmer als Gesprächspartner befindet, lassen sich einige Effekte ausmachen, welche direkt mit den Fragen verbunden sind.
Im Normalfall würde man unter einem interaktiven Fragenbogen immer auch sofort einen elektronischen Fragebogen verstehen. Es ist leicht vorstellbar, dass gerade in einem Web-Formular die Interaktivität allein schon durch eine dynamische Ausgabe und Auswahl von Fragen sowie ihrer Anordnung im Browser-Fenster oder gar durch eine Übersetzung der Fragen in verschiedene Sprachen nach dem Klick auf eine Schaltfläche oder passend zu den Teilnehmervorgaben bei einer nicht anonymen Befragung zu erkennen ist. Dies sind auch durchaus wesentliche Anforderungen an einen Fragebogen, der sich an ein internationales Publikum über mehrere schon im Vorfeld bekannte Gruppen und Ebenen hinweg richtet. Nichtsdestotrotz gibt es allerdings viele Unterschiede hinsichtlich der Möglichkeiten zwischen diesen beiden Auslieferungsformen, sodass bei sehr anspruchsvollen Anforderungen nur eine elektronische Auslieferung überhaupt Sinn macht. Manchmal sollen aber gerade auch Teilnehmer an der Befragung teilnehmen, die keinen Zugang zu einem elektronischen Fragebogen haben. In diesem Fall wird man vermutlich nur angepasste und in beiden Auslieferungsformen darstellbare Fragebögen einsetzen können.
In diesem Abschnitt geht es nun darum, die interaktiven Elemente kurz zu charakterisieren und auch die beiden Auslieferungsformen miteinander zu vergleichen.
Einige interaktive Elemente wie bspw. der Einsatz von Filterfragen, die je nach Beantwortung zur einen oder anderen weiterführenden Frage leiten, sind auch in einer statischen Druckausgabe denkbar. Hier setzt man dann ganz einfach einen Hinweis, dass bspw. bei der Beantwortung mit Ja der Fragebogen mit Frage 12 fortzusetzen sei. Hier gibt man dem Teilnehmer sozusagen die Prüfung der Antwort mit dem passenden Verhalten als Zusatzaufgabe mit. Andere Elemente wie eine Plausibilitätsprüfung können dagegen nicht direkt während der Befragung durchgeführt werden, sondern erst bei der Datenauswertung. An dieser Stelle liegt dann zwar auch das gleiche Ergebnis vor wie bei einer unmittelbaren Prüfung im Web-Browser oder nach dem Versand der Daten zum Server, doch existiert verständlicherweise keine dynamische Fragebogensteuerung, mit deren Hilfe dann auch der Teilnehmer noch auf seinen nicht plausible oder sogar datentypbezogene falsche Eingabe aufmerksam gemacht werden kann. Die Möglichkeit, durch eine solche Plausibilitätsprüfung vor dem endgültigen Versand der Daten doch noch plausible und damit auch sinnvoll interpretierbare Ergebnisse zu erhalten, ist dann bei einem Papier-Fragebogen nicht mehr gegeben.
Es stellen sich nun grundsätzlich verschiedene Fragen, welche die
Interaktivität und ihre Eigenschaften wiederum betreffen:
Methodisch ist es sicherlich notwendig, bei vielen Befragungen aus Gründen der besseren Abdeckung, der korrekten Stichprobe oder einfach aufgrund der Gleichberechtigung von interessierten Personen wie bei einer Mitarbeiterbefragung immer auch beide Formate zu berücksichtigen. Allerdings gibt es viele Befragungen, die ausschließlich Papier&Bleistift- oder Online-Befragungen sind. Es gibt sicherlich nicht immer eine Notwendigkeit, an beide Formate zu denken, sodass man wohl davon ausgehen kann, dass insbesondere die elektronische Befragung aufgrund der elektronischen und damit kostenminimalen Datenerfassung besonders attraktiv ist. Sobald man aber die Befragungsteilnehmer im sprichwörtlichen Sinne auf der Straße wie bspw. bei einem Produkttest, einer klassischen Befragung in der Fußgängerzone oder unmittelbar am Verkaufspunkt oder an besonderen Orten wie in einem Kino, an der Tankstelle oder an einem sonstigen Punkt ohne Möglichkeit zur Rechnerunterstützung anspricht, ist man doch wieder auf die herkömmlichen Papier-Fragebögen begrenzt. Dadurch vergibt man sich viele interessante Möglichkeiten, die gerade durch den Einsatz von multimedialen Elementen möglich werden und damit auch einem interessanten Benutzer-Erlebnis Vorschub leisten. Die einzige organisatorische Abhilfe scheint hier der Einsatz von mobilen Endgeräten zu sein, die dann anstelle des Papier-Fragebogens den Teilnehmern zur Beantwortung der Fragen ausgehändigt werden.
Zunächst sollen die verschiedenen interaktiven Elemente in einer Übersicht dargestellt werden. Auf der obersten Ebene kann man Interaktivität in die drei Gruppen Prüfung, Steuerung und Unterstützung unterteilen. Sie dienen nicht völlig unterschiedlichen Zwecken, sondern bedingen sich teilweise gegenseitig.

In dieser Übersicht erscheinen nicht alle Elemente, die in der Abbildung
auch beispielhaft erwähnt werden.
Wie schon zuvor erwähnt, bietet der Einsatz von Filterfragen eine
besonders beliebte Möglichkeit der Fragenbogensteuerung. Sie lässt sich
relativ gut vergleichbar auch für beide Ausgabeformen einsetzen, wobei
zwangsläufig nur der elektronische Fragebogen auch noch die zusätzliche
Option bietet, den Filtervorgang, der auf Benutzereingaben abzielt, für
den Benutzer unsichtbar zu gestalten. Man kann bei der Filterung zwei
verschiedene Varianten unterscheiden, die an dieser Stelle ausdrücklich
voneinander getrennt werden sollen.
Ein wichtiger Aspekt bei der Trennung von Teilnehmergruppen neben der Anonymität ist die Gleichbehandlung. Hier lässt sich kurz folgendes anmerken: Die Gleichbehandlung ist zweifelsfrei eine wesentliche Voraussetzung für Chancengleichheit, Demokratie und gleichverteilte Lebenschancen. Aus einer Makroperspektive ist es allerdings erstaunlich, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die einzelnen Länder kommen, um dieses Ziel zu erreichen. Hier kann man sich als Forscher hauptsächlich nur damit befassen, grundsätzlich insbesondere die eigene von der Muttergesellschaft geprägte Vorstellung von Gleichbehandlung zu hinterfragen, um dann festzustellen, dass gerade ein solches Ziel offensichtlich selbst für eine intensive Untersuchung für verschiedene Wissenschaftsdisziplinen ein dankbares Sujet wäre. Darf man im einen Land gerade wegen der Gleichbehandlung nicht nach dem Geschlecht oder der Hautfarbe/Nationalität/Rasse (jedes Wort ein eigenständiger Zündstoff) fragen oder trennen, so ist es im anderen Land genau aus diesem Grund notwendig. Diese Unterschiede können dann sowohl für die benutzergesteuerten Fragen wie auch für die aus ihnen oder aus anderen Fragen erhaltenden Auswertungen gelten. Lediglich eine eigene kritische Unaufgeregtheit und allgemeiner neutraler Abstand helfen hier ohne Nervenkrise durch den Paragraphendschungel bei einer internationalen Befragung.

Die Abbildung möchte noch einmal ein komplexes Beispiel für die fragebogengesteuerte Filterung geben. Bei der Antwort von Nein bei der zweiten Frage in der ersten Gruppe folgt eine weitere Frage in der gleichen Gruppe, d.h. in diesem Fall würde die Anzeige dynamisch erweitert werden, indem diese zusätzliche Frage einblendet. Im Fall von Ja dagegen verläuft die Richtung des Fragebogens über eine ganz andere Gruppe. Beide Wege vereinen sich wieder nach der zusätzlich eingeblendeten Frage.

Abbildung zur benutzergesteuerten Filterung zeigt die Funktionsweise dieser Filterung und gleichzeitig auch eine Reihe von gängigen Anwendungsfällen. Voraussetzung ist, dass man eine Datenbasis besitzt, in der bereits Merkmalsausprägungen zu Teilnehmern vorliegen. Meistens handelt es sich dabei um die berühmten allgemeinen demographischen Merkmale. An zweiter Stelle steht dann eine Gruppe mit beliebigen Merkmalen, die sich in irgendeiner Weise als zusätzliche Merkmale auch für die Befragung und das Phänomen, das mit Hilfe der Auswertung beschrieben und erklärt werden soll, dienen können. Dies können entweder Daten aus einer anderen externen Quelle wie bspw. insbesondere die Stammdatenverwaltung oder Daten aus einer zu einem früheren Zeitpunkt durchgeführten Befragung sein. In jedem Fall rekrutiert sich die Grundgesamtheit der Befragungsteilnehmer genau aus diesem Datenpool. Man kann sich noch vorstellen, dass auch eine Stichprobenuntersuchung stattfindet, doch in beiden Fällen sind die Anwendungsfälle und die grundsätzlichen Überlegungen zu dieser Filter-Art dieselben. Warum sollte man überhaupt solche externen Merkmale noch verwenden?
Zunächst erspart man sich ihre Erhebung und vereinfacht daher eine Zuordnung der Antworten sowie ermöglicht es auch den Befragungsteilnehmern, sich auf die Fragen zu konzentrieren, die sich ausdrücklich mit dem Thema der Befragung beschäftigen. Ein Mitarbeiter hat wenig Verständnis dafür, seine Zugehörigkeit zu einer Abteilung, den Namen seines Vorgesetzten oder das Land, die Sparte oder den sonstwie definierten Unternehmensbereich immer wieder in einer Erhebungswelle einzutragen. Noch schlimmer: man kann davon ausgehen, dass bei kontinuierlicher Umstrukturierung gar nicht klar ist, welche Antworten die aktuell richtigen sind oder dass sie gar nicht tatsächlich bekannt sind. So dient dann das Zuspielen von weiteren ergänzenden Merkmalsausprägungen ebenfalls der Datenkonsistenz, -qualität und damit auch wieder dem korrekten Wertebereich.
Da ohnehin die Voraussetzung ist, dass die interessierenden Daten a priori bekannt sind und dass darüber hinaus auch die Befragung sich nur an schon bekannte Teilnehmer richtet, würde man einer Nicht-Nutzung der vorhandenen Daten lediglich schon erhobene Daten erneut erheben und damit das Risiko von Fehlern oder allgemeiner Unlust eingehen. Im Gros der Befragungen sind weder diese Voraussetzung noch diese Zielsetzung gegeben, die überhaupt für die benutzergesteuerte Filterung in Frage kommen.
Man hat jetzt schon gesehen, dass ein Anwendungsfall darin besteht, zusätzliche Informationen zu besitzen, die wiederum mit den durch die Befragung erhobenen Daten in Beziehung gesetzt werden. Neben diesem eher auswertungsbezogenen Nutzen lassen sich aber auch positive Aspekte für den Teilnehmer ableiten. Wenn im Vorfeld schon bekannt ist, dass er eine bestimmte Sprache präferiert, kann der Fragebogen und die gesamte Kommunikation bereits über diese Sprache abgewickelt werden. In seltenen Fällen möchte man vielleicht sogar für verschiedene Teilnehmergruppen die gleiche Frage in verschiedenen Sprachniveaus anbieten. Wenn es nicht direkt um die gleiche Frage geht, dann könnte man sich genauso gut auf den gleichen Indikator bzw. auf das gleiche Item fokussieren, die nur Teilnehmergruppen, die ein spezielles schon bekanntes Merkmal erfüllen, angezeigt werden. In diesem Fall handelt es sich dann eigentlich wieder um eine gewöhnliche Filterfrage, wobei diese aber schon im Vorfeld erhoben wurde und nicht erst zur Laufzeit der Befragung.
Ein sehr einfacher Fall kann konstruiert werden, wenn man eine Befragung unter Patienten einer Krankenhauskette bedenkt. Hier könnte man grob zwischen Kindern, Erwachsenen und Senioren unterscheiden. Diese drei Teilnehmergruppen könnte beim gleichen Item oder vielleicht sogar bei der gesamten Befragung eine unterschiedliche Ansprache in den Fragen, andere Beispiele oder eine andere Darstellung der Antworten erfordern. Es können solche kleinen Aspekte sein wie: die persönliche Anrede mit Du oder Sie, die Formatierung für einen barrierefreien Fragebogen oder auch die Darstellung der Antworten über große Piktogramme wie Smileys gegenüber typischen Texten wie {Stimme voll zu, Stimme zu, Teils-Teils }.
In dem gerade konstruierten Fall läuft man natürlich Gefahr, sich in ein methodisches Risiko zu begeben, wenn bspw. ein für ein Kinderpublikum konstruiertes Beispiel oder eine zu vergleichende Menge an Abbildungen, Audio-/Video-Beispielen sich nicht 1:1 auf die für das Erwachsenen-Publikum erstellten Beispiele für das gleiche Item übertragen lassen oder hier Zweifel aufgekommen sind. In einem solchen Fall ist es methodisch nur dann relativ risikoarm, wenn man sich nicht darauf verlässt, dass ein Indikator genau mit einem Item geprüft wird, sondern immer eine ganze Fragenbatterie zum Einsatz kommt.
