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Darstellung und Wirkung

Reihenfolge und Aufbau

Grundsätzlich können Papier- und Online-Fragebögen, d.h. auch alle Arten von elektronischen Fragenbögen, durchaus mehr an Komplexität und Teilnehmersteuerung bieten als einfach nur eine Darstellung von Fragen, die von oben nach unten dargeboten werden. Elektronische Fragebögen erlauben dabei eine aus verschiedenen Aspekten besonders attraktive Liste an Vorteilen, die von den Vorteilen von Papierfragebögen mit steigender Computerisierung und Verfügbarkeit von elektronischen Auslieferungsmedien sicherlich nicht überrundet werden können. Man kann für den Benutzer unsichtbar eine komplexe Fragebogensteuerung hinterlegen, zahlreiche grafische Varianten von Skalen und Fragen anbieten sowie den gesamten Fragebogen interaktiv gestalten und somit zu einer dynamischen Oberflächenkonstruktion gelangen. Ein Papierfragebogen bietet dagegen den Vorteil, dass er weitestgehend ohne besondere Voraussetzungen ausgefüllt werden kann und dadurch alle möglichen Teilnehmer erreichen kann, die bspw. nicht noch besondere technische Voraussetzungen erfüllen müssen.

Bestandteile

Ein Fragebogen kann verschiedenen Konstruktionsprinzipien folgen, wobei die einzelnen Teile wie bei einem Kochrezept als Zutaten betrachtet werden können, die in einem Fall vorhanden oder ausgelassen werden oder die in mehr oder weniger starker Ausprägung auftreten. Dies hat zunächst nichts damit zu tun, wie ein besonders guter, schöner oder erfolgreicher Fragebogen aussehen soll, sondern in erster Linie mit möglichen Ingredienzen, die man verwenden kann.

Die einzelnen Teile, aus denen sich der Fragebogen zusammen setzen kann, wurden bereits weiter oben kurz dargestellt und seien hier nur noch einmal zur Wiederholung erwähnt: Man kann den gesamten Fragebogen als Kombination aus einem Mantel und dem eigentlichen Fragenkatalog verstehen. Der Mantel besteht aus allgemeinen Texten, ganzen Seiten oder sonstwie gearteten Bereichen, deren Darstellung von der Auslieferungsweise abhängt. Diese Texte enthalten einen Titel, eine Einführung in die Fragebogenthematik sowie eine Danksagung zu Beginn und Ende, die sich noch direkter als die Einführung an den Teilnehmer richtet, um ihn für die Teilnahme zu gewinnen und sich für die tatsächliche Teilnahme zu bedanken.

Man sollte in gar keinem Fall die Teilnahme als Selbstverständlichkeit hinnehmen. Ein kurzer Fragebogen ist selbstverständlich schnell ausgefüllt. Dies bedeutet aber nicht, dass dann trotzdem die wenigen Fragen mit guter Konzentration beantwortet worden sind, sondern vielleicht nur besonders schnell, weil die Teilnahme aus irgendeinem Grund doch als (lästige) Pflicht oder als Zeichen der Höflichkeit erschien. Ein umfangreicher Fragebogen, der vielleicht sogar eine halbe Stunde in Anspruch nimmt, erlaubt es für das Forschungsteam zwangsläufig, auch komplexe Phänomene anhand von mehreren Indikatoren zu testen und sogar Kontrollfragen und gute Validierungen einzubauen, ist allerdings auf freiwilliger Basis normalerweise nur dann erfolgreich, wenn der Teilnehmer selbst auch einen positiven Nutzen für sich erkennen kann, der direkt damit zu tun hat, dass er seine Meinung und seine Ansichten mitgeteilt hat. Noch längere Fragebögen sind dann vermutlich nur in einer eigenen Befragungssituation, bei der evtl. sogar ein Ansprechpartner für Rückfragen zur Verfügung steht, durchführbar. Kurz und gut: in allen Fällen aber ist eine dialogorientierte positive und direkte Ansprache notwendig und im Grunde genommen sogar eine Verpflichtung, weil andere Menschen hier Zeit investieren, die sie selbstredend auch anderweitig hätten einsetzen können.

Dem Mantel und seinen Teilen, die nicht direkt dem Fragenkatalog zugeordnet werden können, kommt also eine hohe Bedeutung zu. Allerdings ist der Umfang diese Teile nicht proportional zu seiner Bedeutung für den Erfolg des Fragebogens, sondern nimmt der Fragenkatalog als Kernstück des gesamten Fragebogens naturgemäß den größten Teil ein. Auch hier ist, wie man später noch sehen wird, darauf zu achten, dass der Teilnehmer sich ernst genommen fühlt und er, so gut es geht, Interesse und Freude empfindet, sich mit den Fragen auseinander zu setzen.

Dieser Fragenkatalog steht nun zunächst im Vordergrund. Er kann sich wieder aus zwei verschiedenen Bausteinen zusammen setzen: Zum einen gibt es die meistens auch mit ihrer Reihenfolge von vornherein vorgegebenen Fragen, die in einzelnen Gruppen sortiert/geordnet und in meist auch vordefinierten Anzeigen/Bereichen dargestellt werden. Zum anderen gibt es bisweilen in besonderen Befragungssituationen die Möglichkeit, dass der Teilnehmer Fragen zurückstellen kann, um sie dann später zu beantworten, wenn alle anderen für ihn zunächst leichter zu bearbeitenden Fragen beantwortet wurden. Dies ist der Fall bei einer Prüfung, die mit einem Befragungswerkzeug erstellt, organisiert und durchgeführt wird, kann allerdings auch sinnvoll für eine Standard-Befragung zum Einsatz kommen. Hier bietet man dem Befragten nämlich zusätzlich die Möglichkeit an, Fragen noch einmal zu korrigieren oder sie tatsächlich erst einmal nur zurückzustellen, um sich mit ihnen besser auseinander zu setzen.

Der Aufbau und der Ablauf, der im Fragenkatalog umgesetzt sein kann, sind auch in der Abbildung noch einmal illustriert. Zunächst zeigt sie die Fragen, welche in verschiedenen Gruppen dargestellt werden. Jede Frage ist dabei in einer Gruppe untergebracht, was bei den meisten Befragungssystemen auch dann der Fall wäre, wenn es nur wenige oder nur eine einzige Frage gäbe. Die Gruppierung kann verschiedene Gründe haben. Man möchte bspw. einen Titel oder einen einleitenden Text vergeben. Bei großen Befragungen kann es auch schon einmal mehr als 50 oder sogar 100 Fragen geben. Ihre Erarbeitung und die Planung solcher Listen erfolgt im konkreten Projekt weniger über die Nummer oder den Text der Frage, die sich ja beide sowieso entweder ändern oder ohnehin selbst ein eigener Entscheidungspunkt sein können, sondern über die vielleicht doch eher überschaubaren 10 oder 15 Fragengruppen. Auch später bei der Auswertung ist es dann wahrscheinlich, dass man sich einzelne Gruppen besonders herauspickt oder eine Gruppe für einen Indikator steht, diese Ergebnisse weiter verdichtet/aggregiert oder in Zusammenhang mit den verdichteten Werten anderer Gruppen gestellt werden. Auch für die Fragebogensteuerung kann eine Gruppierung von Bedeutung sein, denn oft entscheiden Filterfragen oder besondere schon vorab bekannte Eigenschaften von Teilnehmern darüber, ob eine Gruppe angezeigt und damit zur Beantwortung vorgelegt werden soll oder nicht.

Eine solche Gruppe kann sehr umfangreich werden bzw. mehr Fragen enthalten als man eigentlich auf einer Druck-Seite oder einer Bildschirmseite darstellen will. Dies hängt normalerweise mit der einfachen Überlegung zusammen, dass der Fragebogen ja mit Interesse ausgefüllt werden soll und nicht wie ein kompliziertes, eng beschriebenes und fast schon Furcht einflößendes Finanzamt-Formular. Übersichtlichkeit und auch das Gefühl, schon einige Seiten beantwortet zu haben, also zügig mit dem gesamten Fragebogen voranzukommen, sollen den Teilnehmer entsprechend motivieren und beflügeln. Bei einer entsprechend viele Fragen umfassenden Gruppe ist es dann auch denkbar, dass aus Gründen dieser Motivation mehrere Ansichten für eine Gruppen verwendet werden sollen. Dies kann auch notwendig werden, wenn der gleiche Fragebogen auf noch mehr Plattformen als nur in einer gedruckten und einer elektronischen Variante ausgeliefert werden soll. Insbesondere der Einsatz eines Befragungswerkzeugs für eine strukturierte Beobachtung, die bspw. mit einem PDA durchgeführt wird, erfordert eine spezielle Raumaufteilung und Formatierung.

Neben den Standardansichten, die in dieser Form wirklich in jedem Werkzeug erstellt und ausgeliefert werden sollten, gibt es in besonders funktionsreichen Systemen auch noch die Möglichkeit, Fragen zurückzustellen bzw. zu überspringen. Hier markiert der Teilnehmer entweder ein spezielles Oberflächen-Element wie einen „Zurückstellen“-Button oder er beantwortet eine Frage einfach zunächst nicht, sondern setzt die Bearbeitung des Fragebogens mit der nächsten Frage fort. Im einen Fall handelt es sich um ein bewusstes Zurückstellen, im anderen Fall ist es gar nicht so eindeutig zuzuordnen, ob er eine Frage gar nicht erst beantworten wollte oder sie tatsächlich überspringen und auf Wiedervorlage setzen wollte. In beiden Fällen jedoch ist es von Interesse, eine Möglichkeit zu bieten, solche Fragen erneut anzuzeigen, sei es auf einer letzten Seite als Erinnerung/Aufforderung oder durch eine selbstständige Aktion durch den Teilnehmer.

Schließlich können der Ablauf und der (dynamische) Aufbau eines Fragebogens auch noch von den Antworten selbst abhängen. Hier lassen sich verschiedene Stufen an Interaktivität und Dynamik denken. Ein Standardfall ist bspw. die automatische Überprüfung und Validierung, wie sie in jedem Formular erwartet wird. Dies betrifft in einem Fragebogen ganz ähnliche Fälle wie die Überprüfung, ob eine ausreichende Anzahl an Antworten überhaupt gegeben wurde, ob Datentypbeschränkungen wie Datum/Zahl/Text sowie feinere Eigenschaften beachtet worden sind, oder einfache Plausibilitätsprüfungen wie bei der Verteilung einer maximalen Punktzahl auf mehrere Kategorien. Ein erweiterter Fall beschreibt die Reihenfolge eines Fragebogens. Hier kann man sich gut vorstellen, dass nur dann eine Frage bzw. eine Fragengruppe angezeigt bzw. in einer neuen Ansicht geöffnet werden soll, wenn eine bestimmte Frage schon bearbeitet, d.h. überhaupt beantwortet wurde. Eine so genannte Filterfrage ergänzt dieses Konzept, indem nicht nur überhaupt geprüft wird, ob eine Antwort gegeben wurde, sondern ob diese Antwort auch einen bestimmten Wert hat. Sie filtert dann die Teilnehmer heraus, welche zusätzliche weitere Fragen beantworten sollen oder welchen eine spezielle Fragengruppe gar nicht erst vorgelegt werden soll. Auch die Plausibilitätsprüfung lässt sich noch konzeptuell erweitern, indem nämlich eine ganz neue Frage für diese Prüfung zum Einsatz kommt. Kontrollfragen können entweder erst später bei der Auswertung oder auch direkt interaktiv im Fragebogen berücksichtigt werden. In diesem letzten Fall könnte die nicht plausible Frage oder beide nicht zusammen passenden Fragen mit ihren bisherigen Antworten erneut angezeigt werden.

Bestandteile von Fragegruppen

Geht man nun noch weiter in den Fragebogen hinein, befindet man sich auf der nächsten Ebene in einer Ansicht wie auf einer Seite in einem gedruckten Fragebogen oder einer Bildschirmseite und auch innerhalb einer Fragengruppe. Diese Ansicht hat zumeist einen Titel, damit der Teilnehmer sich auch besser in der Struktur des Fragebogens zurechtfinden kann. Sollte die Gefahr bestehen, dass durch die Struktur ein Thema den Hintergrund aufspannt, vor dem die Fragen dieser Gruppe beantwortet werden, was wiederum deren Antworten tendenziell beeinflussen kann, dann würde dieser Titel möglicherweise fehlen und wäre nur für die Planung und Auswertung beim Projektteam bekannt und in Benutzung.

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Innerhalb einer Fragegruppe oder – ausgehend von der Anzeige - auch davor können überleitende, einführende oder sonstige erklärende Texte stehen. Diese sind in der Abbildung und in dieser Darstellung als Hinweise angegeben. Als Hinweis soll ein Text gelten, der vom Umfang her nicht mit der gesamten Einleitung eines Fragebogens vergleichbar ist und auch von der Optik her nicht die gleiche Komplexität (Listen, Tabellen, Bilder, mehrere Absätze und Textformatierungen) erreicht wie ein solcher Einleitungstext. Nichtsdestoweniger sind natürlich beide Textarten letztendlich von der Erstellung, der Darstellung und Technik (sicherlich HTML bei einem Online-Fragebogen) vergleichbar.

Schließlich enthält natürlich eine Fragengruppe die einzelnen Fragen. Sie können Fragentexte sowie evtl. weitere Texte enthalten, wobei die im Normalfall dann weniger als Hinweis-Text erfasst werden, sondern als zu dieser Frage gehörig. Man kann sich in einer einfachen Variante, die auch sicherlich in vielen Fällen genügt, vorstellen, dass eine Frage nur in einer Gruppe vorhanden ist. In einer komplexen Variante könnte man die gleiche Frage in mehreren Gruppen verwenden. Dies würde allerdings nur Sinn machen, wenn in zwei bedingten/gefilterten Ansichten die gleiche Frage erscheinen soll, weil sie als Überleitungs- oder Abschlussfragen für beide Teilnehmergruppen/Fragengruppen Sinn macht. Sofern es sich nicht grundsätzlich anders gestalten lässt und diese Frage bspw. nach der Filterung erst erscheint, könnte man sie auch doppelt erfassen und dann in der Auswertung als gleiche Frage berücksichtigen. Optimal ist in einem solchen Fall allerdings doch eher die Zuordnung der gleichen Frage zu zwei Gruppen, da es im Wesentlichen nur um ein Anzeige-/Darstellungsziel geht und nicht zwei verschiedene Items/Merkmale geprüft werden sollen.

Die Abbildung deutet übrigens darüber hinaus eine Variante an, bei der in einer Anzeige, die bei einem Online-Fragebogen dann scrollbar wäre, mehrere Fragegruppen nacheinander angezeigt werden. Auch dies ist denkbar und ein pragmatischer Weg, wenn sehr viele kurze Fragen zu bearbeiten sind und daher zu kurze Anzeigen nur ungewöhnlich wirken könnten.

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Effekte im Fragebgogen

Methodisch besonders schwer zu erfassen und in ihren Auswirkungen nur mit größter Mühe auf die Antworten abzuschätzen, sind die so genannten Effekte im Fragebogen. Es ist eine altbekannte Überlegung, dass die Beobachtung im Feld gleichzeitig auch das Feld verändert bzw. dass es Rückkoppelungen zwischen dem beobachteten Objekt und dem Beobachter gibt, sobald das beobachtete Objekt sich seiner Situation bewusst wird. Man muss nicht unbedingt davon ausgehen, dass alle Effekte in diesem Bereich nur negativ für die Qualität der Befragungsergebnisse sind, doch ist es wichtig zu berücksichtigen, dass man durch die Formulierung von Fragen und ihre Reihenfolge sowie durch die gesamte Situation der Befragung eine andere soziale Situation schafft als bei einem Gespräch unter Freunden, mit Nachbarn oder Arbeitskollegen sowie natürlich auch bei einer stillen Minute, in der man sich mit den bspw. im Fragebogen gestellten Themen alleine auseinander setzen würde. Verschiedene solcher Effekte sollen in diesem Abschnitt dargestellt werden.

Diese Effekte lassen sich in verschiedene Kategorien aufteilen, wobei in diesem Fall die beiden verschiedenen Befragungssituationen Interview und Fragebogen als Unterscheidungsmerkmal verwendet werden. Zusätzlich werden noch ganz allgemeine Effekte dargestellt, die überhaupt in einem Gespräch mit Fragen entstehen könnten. Nichtsdestoweniger gilt aber auch, dass viele Effekte, die direkt durch die Abfolge und die Formulierung von Fragen im Fragebogen hervorgerufen werden, auch im Interview entstehen können. Hier handelt es sich aber um eine künstliche oder wenigstens ungewohnte Gesprächssituation, die zusätzliche Fremdeinflüsse bietet.

Vorüberlegungen

Der Teilnehmer ist sich bei einem Interview zumeist deutlicher bewusst, dass er tatsächlich als „Untersuchungsobjekt“ betrachtet wird. Doch auch bei einer Bildschirm-Befragung ist einem Teilnehmer klar, dass im Regelfall nicht an seiner persönlichen individuellen Meinung Interesse besteht, sondern diese vielmehr als Fall, Messung oder Datensatz betrachtet wird und damit deutlich anders bewertet wird als in einer alltäglichen Situation. Da sich der Teilnehmer der Untersuchungssituation bewusst ist, ist es ihm möglich, auf die Datenerhebung zu reagieren. Daher nennt man solche Verfahren auch reaktive Messverfahren. Ein tatsächliches Verhalten oder die Reaktion auf eine Datenerhebung kann man dann wiederum mit dem Begriff der Reaktivität bezeichnen.

Vorüberlegungen

Der Teilnehmer ist sich bei einem Interview zumeist deutlicher bewusst, dass er tatsächlich als „Untersuchungsobjekt“ betrachtet wird. Doch auch bei einer Bildschirm-Befragung ist einem Teilnehmer klar, dass im Regelfall nicht an seiner persönlichen individuellen Meinung Interesse besteht, sondern diese vielmehr als Fall, Messung oder Datensatz betrachtet wird und damit deutlich anders bewertet wird als in einer alltäglichen Situation. Da sich der Teilnehmer der Untersuchungssituation bewusst ist, ist es ihm möglich, auf die Datenerhebung zu reagieren. Daher nennt man solche Verfahren auch reaktive Messverfahren. Ein tatsächliches Verhalten oder die Reaktion auf eine Datenerhebung kann man dann wiederum mit dem Begriff der Reaktivität bezeichnen.

Allgemeine Effekte bei Befragungen

Es gibt eine Reihe von Effekten, die direkt durch den Fragebogen selbst verursacht werden können oder die in jeder Gesprächssituation, in der konkrete und strukturierte Fragen wie bei einer Prüfung, einem Vorstellungsgespräch oder einer Zeugenbefragung sowie einer öffentlichen Situation gestellt werden, auftreten können.

  • Zustimmungstendenz: Diese Tendenz bezeichnet das Verhalten, grundsätzlich oder signifikant häufiger, eine zustimmende Antwort abzugeben, obwohl bspw. eine Kontrollfrage eine gegenteilige Formulierung aufweist. Die allgemeinen Erklärungen für dieses Verhalten reichen sehr tief in die Psyche des Menschen und zielen teilweise auf eine grundsätzliche Einstellung der Person, d.h. bspw. eine geringe Ich-Stärke oder eine Unterordnung als allgemeine Bewältigungsstrategie von unbekannten Situationen.
  • Soziale Erwünschtheit: Gerade bei Fragen, welche an bekannten gesellschaftlichen Normen rühren oder für den Befragten Punkte berühren, bei denen er meint, dass seine wahre Einstellung nicht der herrschenden Meinung entspricht, ist es möglich, dass er seine Meinung verbirgt und die scheinbar von ihm erwartete Antwort gibt. Hierbei kann man differenzieren, ob der Befragte selbst von einer allgemeinen kulturellen Erwünschtheit ausgeht oder eher die situative Erwünschtheit der Befragungssituation berücksichtigt. Neben der Vortäuschung einer anderen als der eigenen Meinung kann auch die scheinbare Meinungslosigkeit eine gleich gerichtete Strategie sein, wenn man tabuisierte oder auch nur heikle Themen nicht beantworten möchte, weil man befürchtet, nicht „angemessen“ zu antworten.
  • Verweigerung: Eine einfache Verweigerung zur Antwort auf einzelne Fragen oder die Verweigerung zur Teilnahme an der gesamten Befragung kann durch eine Reihe von sachlichen (Zeitmangel, fehlendes allgemeines Interesse, kein Verständnis für die Befragung) oder auch persönlichen (Angst vor Nachteilen bei ungünstigen Antworten, Zweifel am Sinn und den Motiven der Befragung) Gründen ausgelöst werden. Gerade durch eine stetig steigende Anzahl von Befragungen muss mit diesem Verhalten immer häufiger gerechnet werden.
  • Meinungslosigkeit: Zwar ist eine permanente Meinungslosigkeit keine Total-Verweigerung der Befragung, doch verwertbare Ergebnisse entstehen zunächst nicht. Erst wenn eine bestimmte Gruppe an Teilnehmern, die durch demographische Daten, welche dennoch erhoben werden konnten, mit ihrer Meinungslosigkeit besonders hervorsticht, ist es notwendig, dies näher zu untersuchen und zeigt dies eine inhaltlich relevante Systematik.
  • Inhalt ohne Meinung: Ein Fragebogen bringt es mit sich, dass auch Fragen zu Themen gestellt weden, mit denen sich der Befragte in Wirklichkeit noch gar nicht auseinander gesetzt hat. Eine spontane Meinung kann durchaus von Interesse sein, wenn es genau darum geht, solche ad-hoc-Äußerungen zu sammeln. Wenn aber ein längerer Reflexionsprozess dazu führt, überhaupt erst einmal eine Meinung zu entwickeln, die dann später wieder verworfen wid, dann ist es fraglich, ob der Datensatz mit dieser Antwort als korrekt oder nützlich betrachtet werden kann. Da gleichzeitig die Meinungslosigkeit und damit die Auswahl der allgemeinen „Weiß-nicht“-Antwort oder einer neutralen „Teils-Teils“-Antwort ebenfalls kritisch betrachtet werden, entsteht hier ein befragungstechnisches Dilemma.

Effekte durch die Frage selbst

Neben den Effekten, welche durch die Situation der Befragung bzw. durch die allgemeine Frage-Antwort-Situation, in der sich insbesondere der Teilnehmer als Gesprächspartner befindet, lassen sich einige Effekte ausmachen, welche direkt mit den Fragen verbunden sind.

  • Positionseffekte der Antworten: Die Antworten in einem Interview werden im Gegensatz zu einem Papier- oder Bildschirm-Fragebogen der Reihe nach vorgelesen und können auch noch einmal auf Rückfrage des Befragten wiederholt werden. Sofern das Interesse des Teilnehmers von vornherein oder nach einer gewissen Zeit erlahmt ist, kann man sich leicht vorstellen, dass die beiden äußeren Antworten besonders gut im Gedächtnis bleiben und somit die erste oder letzte Antwort überhaupt für eine Beantwortung in Frage kommen. In einem schriftlichen Fragebogen könnte man bei einer nominalen Antwort auch schon einmal bis zu zehn Antworten vorschlagen, gerade dann, wenn Mehrfachauswahl erlaubt ist. In einer mündlichen Interview-Situation wäre dies sehr kritisch zu betrachten, wenn nicht sicher gestellt werden kann, dass der Teilnehmer auch wirklich den vollen Umfang der Antworten tatsächlich „vor Augen“ hat.
  • Interviewereffekte: Ein Fragebogen besitzt zwar eine optische Darstellung, die einem Teilnehmer gefallen oder nicht gefallen kann, doch kann man davon ausgehen, dass diese Effekte weniger stark das tatsächliche Antwortverhalten beeinflussen wie der Interviewer selbst. Er kann scheinbar einer höheren oder niedrigeren Schicht, einer anderen Altersstufe, einem anderen Bildungsgrad und natürlich auch einem anderen Geschlecht oder einer anderen Nationalität als der Befragte angehören. Jeder dieser Unterschiede und – umso schwieriger abzuschätzen – ihre Kombination und die damit einhergehende Bewertung durch den Teilnehmer kann zu verschiedenen Effekten führen. Im einen Fall kann der Interviewer sympathisch, attraktiv, freundlich und hilfebedürftig, im anderen Fall unsympathisch, unattraktiv, voreingenommen, unseriös oder als Bedrohung erscheinen. Ablehnung oder Zustimmung sowie auch besondere Unterstützung und ausführliche Antworten können Ergebnisse solcher zwischenmenschlicher Effekte sein.
  • Anwesenheitseffekte: Neben der Anwesenheit des Interviewers können sich alle Effekte verändern und auch verstärken, wenn weitere beobachtende Personen in der Befragungssituation vorhanden sind. Dies können gleichermaßen Teilnehmer wie Mitarbeiter sein, die bspw. als Schriftführer oder Helfer auftreten. Die Bedrohung der Situation sowie auch die Tatsache, dass der Teilnehmer immer stärker in der Minderheit ist, kann die Antworten sehr beeinflussen. Kritisch zu beurteilen sind vor diesem Hintergrund auch Gruppengespräche, da hier die eigene Meinung mit derjenigen der anderen Gruppenmitglieder verglichen und abgeglichen wird.

Interaktivität im Fragebogen

Im Normalfall würde man unter einem interaktiven Fragenbogen immer auch sofort einen elektronischen Fragebogen verstehen. Es ist leicht vorstellbar, dass gerade in einem Web-Formular die Interaktivität allein schon durch eine dynamische Ausgabe und Auswahl von Fragen sowie ihrer Anordnung im Browser-Fenster oder gar durch eine Übersetzung der Fragen in verschiedene Sprachen nach dem Klick auf eine Schaltfläche oder passend zu den Teilnehmervorgaben bei einer nicht anonymen Befragung zu erkennen ist. Dies sind auch durchaus wesentliche Anforderungen an einen Fragebogen, der sich an ein internationales Publikum über mehrere schon im Vorfeld bekannte Gruppen und Ebenen hinweg richtet. Nichtsdestotrotz gibt es allerdings viele Unterschiede hinsichtlich der Möglichkeiten zwischen diesen beiden Auslieferungsformen, sodass bei sehr anspruchsvollen Anforderungen nur eine elektronische Auslieferung überhaupt Sinn macht. Manchmal sollen aber gerade auch Teilnehmer an der Befragung teilnehmen, die keinen Zugang zu einem elektronischen Fragebogen haben. In diesem Fall wird man vermutlich nur angepasste und in beiden Auslieferungsformen darstellbare Fragebögen einsetzen können.

In diesem Abschnitt geht es nun darum, die interaktiven Elemente kurz zu charakterisieren und auch die beiden Auslieferungsformen miteinander zu vergleichen.

Vergleich der Auslieferungsformen

Einige interaktive Elemente wie bspw. der Einsatz von Filterfragen, die je nach Beantwortung zur einen oder anderen weiterführenden Frage leiten, sind auch in einer statischen Druckausgabe denkbar. Hier setzt man dann ganz einfach einen Hinweis, dass bspw. bei der Beantwortung mit „Ja“ der Fragebogen mit Frage 12 fortzusetzen sei. Hier gibt man dem Teilnehmer sozusagen die Prüfung der Antwort mit dem passenden Verhalten als Zusatzaufgabe mit. Andere Elemente wie eine Plausibilitätsprüfung können dagegen nicht direkt während der Befragung durchgeführt werden, sondern erst bei der Datenauswertung. An dieser Stelle liegt dann zwar auch das gleiche Ergebnis vor wie bei einer unmittelbaren Prüfung im Web-Browser oder nach dem Versand der Daten zum Server, doch existiert verständlicherweise keine dynamische Fragebogensteuerung, mit deren Hilfe dann auch der Teilnehmer noch auf seinen nicht plausible oder sogar datentypbezogene falsche Eingabe aufmerksam gemacht werden kann. Die Möglichkeit, durch eine solche Plausibilitätsprüfung vor dem endgültigen Versand der Daten doch noch plausible und damit auch sinnvoll interpretierbare Ergebnisse zu erhalten, ist dann bei einem Papier-Fragebogen nicht mehr gegeben.

Es stellen sich nun grundsätzlich verschiedene Fragen, welche die Interaktivität und ihre Eigenschaften wiederum betreffen:

  • Interaktive Elemente: Welche verschiedenen Möglichkeiten der Interaktivität sind vorhanden? Dies betrifft eine allgemeine Darstellung der unterschiedlichen Elemente, die für die Gestaltung von interaktiven Effekten in einem Fragebogen zur Verfügung stehen. Sie lassen sich in verschiedene Kategorien einordnen, wobei es auch Überlappungen bei den Einsatzmöglichkeiten geben kann.
  • Einsatzbereiche für Druck und Web: Welche der vorhandenen Elemente können in welchem Ausgabeformate eingesetzt werden? Es gibt verschiedene interaktive Elemente, welche in den beiden Ausgbeformaten gleichermaßen eingesetzt werden können wie bspw. das Überspringen von Fragen mit Hilfe einer Filterfrage. Andere dagegen sind nur eingeschränkt möglich, wie die Mehrsprachigkeit, wobei lediglich ein spontaner Wechsel nicht denkbar ist, sondern nur ein völliger Austausch des gesamten ausgedruckten Fragebogens. Viele interaktive Elemente dagegen sind jedoch nur einer elektronischen Auslieferung vorbehalten, da es hier gerade auch um multimediale Aspekte gibt, die Papier zwangsläufig nicht bieten kann.

Methodisch ist es sicherlich notwendig, bei vielen Befragungen aus Gründen der besseren Abdeckung, der korrekten Stichprobe oder einfach aufgrund der Gleichberechtigung von interessierten Personen wie bei einer Mitarbeiterbefragung immer auch beide Formate zu berücksichtigen. Allerdings gibt es viele Befragungen, die ausschließlich Papier&Bleistift- oder Online-Befragungen sind. Es gibt sicherlich nicht immer eine Notwendigkeit, an beide Formate zu denken, sodass man wohl davon ausgehen kann, dass insbesondere die elektronische Befragung aufgrund der elektronischen und damit kostenminimalen Datenerfassung besonders attraktiv ist. Sobald man aber die Befragungsteilnehmer im sprichwörtlichen Sinne auf der Straße wie bspw. bei einem Produkttest, einer klassischen Befragung in der Fußgängerzone oder unmittelbar am Verkaufspunkt oder an besonderen Orten wie in einem Kino, an der Tankstelle oder an einem sonstigen Punkt ohne Möglichkeit zur Rechnerunterstützung anspricht, ist man doch wieder auf die herkömmlichen Papier-Fragebögen begrenzt. Dadurch vergibt man sich viele interessante Möglichkeiten, die gerade durch den Einsatz von multimedialen Elementen möglich werden und damit auch einem interessanten Benutzer-Erlebnis Vorschub leisten. Die einzige organisatorische Abhilfe scheint hier der Einsatz von mobilen Endgeräten zu sein, die dann anstelle des Papier-Fragebogens den Teilnehmern zur Beantwortung der Fragen ausgehändigt werden.

Übersicht

Zunächst sollen die verschiedenen interaktiven Elemente in einer Übersicht dargestellt werden. Auf der obersten Ebene kann man Interaktivität in die drei Gruppen Prüfung, Steuerung und Unterstützung unterteilen. Sie dienen nicht völlig unterschiedlichen Zwecken, sondern bedingen sich teilweise gegenseitig.

  • Mit Prüfung sind alle Elemente gemeint, welche die Eingabe auf ihre Inhalte prüfen. Im Wesentlichen geht es darum, dass sie einem erwarteten Wertebereich zugeordnet werden können. In einem einfachen Fall handelt es sich dabei nur um die Validierungen, die auch in einem gewöhnlichen Formular eingesetzt werden. Gängige Beispiele sind hier die Datentypprüfung oder ob überhaupt eine Antwort gegeben wurde, d.h. die Prüfung auf Plichtfelder/-fragen.
  • Die Steuerung betrachtet allerdings ebenfalls die Inhalte der einzelnen Antworten, wobei diese Betrachtung aus einem anderen Blickwinkel erfolgt. Ein Inhalt ist nicht für einen bestimmten erwarteten Wertebereich falsch, sondern wird genutzt, um den Aufbau und die Struktur des Fragebogens zu beeinflussen. Die sicherlich häufigste Unterart und damit das beste Beispiel für diese Steuerung stellt wohl die Filterfrage dar. Ihre Antwort wird verwendet, um die Teilnehmer in verschiedene Gruppen einzuteilen und ihnen in Abhängigkeit von der Beantwortung einer Frage mit einer im Standardfall meist vorgegebenen Auswahl an Antworten passende weitere Fragen zu stellen.
  • Der Bereich Unterstützung sammelt solche Elemente, mit denen die Bearbeitung des Fragebogens für den Benutzer besonders einfach ist. Dies kann natürlich auch erneut bedeuten, dass im Fragebogen automatisch eine Überprüfung des Wertebereichs stattfindet, da man davon ausgehen sollte, dass auch der Teilnehmer den Fragebogen sinnvoll interpretierbar beantworten möchte. Andere Beispiele in diesem Bereich sind jedoch dagegen gerade die Mehrsprachigkeit oder die Barrierefreiheit. Mehrsprachige Fragebögen sind weit verbreitet, da bei Befragungen in internationalen Unternehmen entsprechend auch Mitarbeiter oder Kunden aus verschiedenen Ländern berücksichtigt werden sollen, die wenigstens einen englischen Fragebogen beantworten können sollen. Barrierefrei sind bei Weitem nicht alle ausgelieferten Fragebögen, denn darunter würde man bspw. verstehen, die Texte in verschiedenen Größen oder die gesamte Darstellung in verschiedenen Graustufen anzuzeigen, was darüber hinaus auch noch ad hoc geändert werden kann. Auch kann man sich vorstellen, dass ein Fragebogen die Möglichkeit bietet, für blinde Benutzer die Fragen und Antworten vorzulesen und sogar eine Sprach- oder reine Tastensteuerung anzubieten.
Skulschus_Befragung_Fragebogen_07

Prüfung von Wertebereich und Plausibilität

In dieser Übersicht erscheinen nicht alle Elemente, die in der Abbildung auch beispielhaft erwähnt werden.

Einsatz von Filterungen

Wie schon zuvor erwähnt, bietet der Einsatz von Filterfragen eine besonders beliebte Möglichkeit der Fragenbogensteuerung. Sie lässt sich relativ gut vergleichbar auch für beide Ausgabeformen einsetzen, wobei zwangsläufig nur der elektronische Fragebogen auch noch die zusätzliche Option bietet, den Filtervorgang, der auf Benutzereingaben abzielt, für den Benutzer unsichtbar zu gestalten. Man kann bei der Filterung zwei verschiedene Varianten unterscheiden, die an dieser Stelle ausdrücklich voneinander getrennt werden sollen.

  • Fragebogengesteuerte Filterung: Dies ist die typische Filterung, an die man zunächst auch bei dem Begriff der Filterfrage denkt, denn genau hierfür ist sie geschaffen. Anhand der Anwort entscheidet die Fragebogensteuerung, welche Frage als nächstes angezeigt werden soll bzw. – mit Schwerpunkt auf die inhaltliche Bedeutung der Filterung –welcher Gruppe der Teilnehmer zuzuordnen ist und welche zusätzlichen Fragen er beantworten soll oder nicht. Diese Filterung erfolgt dynamisch direkt während der Beanwortung und kann in einem Papier-Fragebogen durch einen Hinweis („bei Ja: gehen Sie weiter zur Frage 8“) ausgedrückt werden, während in einem elektronischen Fragebogen einfach in der sich danach öffnenden Ansicht die zusätzlichen Fragen erscheinen oder sie gerade unterbleiben. Es ist auch nicht notwendig, unbedingt sofort die zusätzlichen Fragen zu stellen, sondern kann diese auch zu einem späteren Zeitpunkt einblenden oder entsprechend überspringen. In einem elektronischen Fragebogen kann dies alles völlig im Hintergrund geschehen, sodass der Teilnehmer auch in keiner Weise darüber informiert wird, dass er nun besondere Frage beantworten soll, was ihn bspw. auch zu einer bewussteren Auseinandersetzung mit den Fragen verleiten und seine Antworten verzerren könnte. Bei einem Papier-Fragebogen kann man den späteren Bezug zu einer Filterfragen auch wiederum nur durch einen zusätzlichen Hinweis verdeutlichen („wenn Sie bei Frage 10 mit Ja geantwortet haben, dann beantworten Sie bitte auch die folgende Frage 21“), wobei allerdings bei komplexen Filtersteuerungen („haben Sie bei 10 mit ‚eher unzufrieden‘ geanwort, dann beantworten Sie bitte auch 16“) eine neue Fehlerquelle in den Fragebogen gelangt, sodass solche Möglichkeiten angenehm für den Teilnehmer eher wieder im elektronischen Fragebogen denkbar sind.
  • Benutzergesteuerte Filterung: Denkt man an eine Befragung, so hat man zunächst eine anonyme Befragung vor Augen, die bspw. an einem Verkaufspunkt oder im Internet angeboten wird. Vielleicht informiert man mögliche Teilnehmer auch per Telefon, Brief oder Email über die Teilnahme und erinnert sie ggf. auch erneut nach einer gewissen Zeit an die Teilnahme, wobei man dann bei bei einer anonymen Befragung gar nicht sicher wissen kann, ob der solchermaßen Erinnerte nicht schon an der Befragung teilgenommen hat. Es gibt allerdings auch eine Reihe von Befragungen, die sich nicht an eine anonyme, sondern gerade an eine vorher bekannte und auch – hätte man an einer Stelle alle Daten – zuordnungsfähige Teilnehmermenge richtet. Dies kann eine Totalerhebung oder eine Stichprobe sein, wobei im betriebsnahen Bereich die typischen Teilnehmer wie Lieferanten, Kunden und Mitarbeiter in beiden Erhebungsformen berücksichtigt werden können. In all diesen Fällen kann man davon ausgehen, dass auch die besonderen Eigenschaften der eingeladenen Teilnehmer, die insbesondere im demographischen Bereich (Alter, Bildung, Geschlecht) und bei einer betriebsnahen Untersuchung gerade auch im wirtschaftlichen Bereich (Umsatzhöhe, Bestellhäufigkeit, Dauer der Geschäftsbeziehung, Tendenz der wirtschaftlichen Verbindung) liegen können, dazu führen, den verschiedenen schon vorab durch fachbezogene Überlegungen ermittelten Gruppen spezialisierte Fragen zu stellen. In einem solchen Fall ist es selbstverständlich notwendig, bei der Verarbeitung der Daten dafür zu sorgen, dass die Anonymität gegenüber dem Auftraggeber gewahrt bleibt, d.h. die Rohdaten mit Zuordnungen selbstverständlich nicht übergeben werden, und dass auch die Auswertungen keine Rückschlüsse auf die Teilnehmer zulassen. Dies ist neben gesetzlichen Vorgaben auch eine sehr wichtige vertrauensbildende Maßnahme, die bei Erstuntersuchungen mühsam aufgebaut wird und dann bei Folgeuntersuchungen keinesfalls gestört werden darf.

Ein wichtiger Aspekt bei der Trennung von Teilnehmergruppen neben der Anonymität ist die Gleichbehandlung. Hier lässt sich kurz folgendes anmerken: Die Gleichbehandlung ist zweifelsfrei eine wesentliche Voraussetzung für Chancengleichheit, Demokratie und gleichverteilte Lebenschancen. Aus einer Makroperspektive ist es allerdings erstaunlich, zu welch unterschiedlichen Ergebnissen die einzelnen Länder kommen, um dieses Ziel zu erreichen. Hier kann man sich als Forscher hauptsächlich nur damit befassen, grundsätzlich insbesondere die eigene von der Muttergesellschaft geprägte Vorstellung von Gleichbehandlung zu hinterfragen, um dann festzustellen, dass gerade ein solches Ziel offensichtlich selbst für eine intensive Untersuchung für verschiedene Wissenschaftsdisziplinen ein dankbares Sujet wäre. Darf man im einen Land gerade wegen der Gleichbehandlung nicht nach dem Geschlecht oder der Hautfarbe/Nationalität/Rasse (jedes Wort ein eigenständiger Zündstoff) fragen oder trennen, so ist es im anderen Land genau aus diesem Grund notwendig. Diese Unterschiede können dann sowohl für die benutzergesteuerten Fragen wie auch für die aus ihnen oder aus anderen Fragen erhaltenden Auswertungen gelten. Lediglich eine eigene kritische Unaufgeregtheit und allgemeiner neutraler Abstand helfen hier ohne Nervenkrise durch den Paragraphendschungel bei einer internationalen Befragung.

Skulschus_Befragung_Fragebogen_08

Die Abbildung möchte noch einmal ein komplexes Beispiel für die fragebogengesteuerte Filterung geben. Bei der Antwort von Nein bei der zweiten Frage in der ersten Gruppe folgt eine weitere Frage in der gleichen Gruppe, d.h. in diesem Fall würde die Anzeige dynamisch erweitert werden, indem diese zusätzliche Frage einblendet. Im Fall von Ja dagegen verläuft die Richtung des Fragebogens über eine ganz andere Gruppe. Beide Wege vereinen sich wieder nach der zusätzlich eingeblendeten Frage.

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Abbildung zur benutzergesteuerten Filterung zeigt die Funktionsweise dieser Filterung und gleichzeitig auch eine Reihe von gängigen Anwendungsfällen. Voraussetzung ist, dass man eine Datenbasis besitzt, in der bereits Merkmalsausprägungen zu Teilnehmern vorliegen. Meistens handelt es sich dabei um die berühmten allgemeinen demographischen Merkmale. An zweiter Stelle steht dann eine Gruppe mit beliebigen Merkmalen, die sich in irgendeiner Weise als zusätzliche Merkmale auch für die Befragung und das Phänomen, das mit Hilfe der Auswertung beschrieben und erklärt werden soll, dienen können. Dies können entweder Daten aus einer anderen externen Quelle wie bspw. insbesondere die Stammdatenverwaltung oder Daten aus einer zu einem früheren Zeitpunkt durchgeführten Befragung sein. In jedem Fall rekrutiert sich die Grundgesamtheit der Befragungsteilnehmer genau aus diesem Datenpool. Man kann sich noch vorstellen, dass auch eine Stichprobenuntersuchung stattfindet, doch in beiden Fällen sind die Anwendungsfälle und die grundsätzlichen Überlegungen zu dieser Filter-Art dieselben. Warum sollte man überhaupt solche externen Merkmale noch verwenden?

Zunächst erspart man sich ihre Erhebung und vereinfacht daher eine Zuordnung der Antworten sowie ermöglicht es auch den Befragungsteilnehmern, sich auf die Fragen zu konzentrieren, die sich ausdrücklich mit dem Thema der Befragung beschäftigen. Ein Mitarbeiter hat wenig Verständnis dafür, seine Zugehörigkeit zu einer Abteilung, den Namen seines Vorgesetzten oder das Land, die Sparte oder den sonstwie definierten Unternehmensbereich immer wieder in einer Erhebungswelle einzutragen. Noch schlimmer: man kann davon ausgehen, dass bei kontinuierlicher Umstrukturierung gar nicht klar ist, welche Antworten die aktuell richtigen sind oder dass sie gar nicht tatsächlich bekannt sind. So dient dann das Zuspielen von weiteren ergänzenden Merkmalsausprägungen ebenfalls der Datenkonsistenz, -qualität und damit auch wieder dem korrekten Wertebereich.

Da ohnehin die Voraussetzung ist, dass die interessierenden Daten a priori bekannt sind und dass darüber hinaus auch die Befragung sich nur an schon bekannte Teilnehmer richtet, würde man einer Nicht-Nutzung der vorhandenen Daten lediglich schon erhobene Daten erneut erheben und damit das Risiko von Fehlern oder allgemeiner Unlust eingehen. Im Gros der Befragungen sind weder diese Voraussetzung noch diese Zielsetzung gegeben, die überhaupt für die benutzergesteuerte Filterung in Frage kommen.

Man hat jetzt schon gesehen, dass ein Anwendungsfall darin besteht, zusätzliche Informationen zu besitzen, die wiederum mit den durch die Befragung erhobenen Daten in Beziehung gesetzt werden. Neben diesem eher auswertungsbezogenen Nutzen lassen sich aber auch positive Aspekte für den Teilnehmer ableiten. Wenn im Vorfeld schon bekannt ist, dass er eine bestimmte Sprache präferiert, kann der Fragebogen und die gesamte Kommunikation bereits über diese Sprache abgewickelt werden. In seltenen Fällen möchte man vielleicht sogar für verschiedene Teilnehmergruppen die gleiche Frage in verschiedenen Sprachniveaus anbieten. Wenn es nicht direkt um die gleiche Frage geht, dann könnte man sich genauso gut auf den gleichen Indikator bzw. auf das gleiche Item fokussieren, die nur Teilnehmergruppen, die ein spezielles schon bekanntes Merkmal erfüllen, angezeigt werden. In diesem Fall handelt es sich dann eigentlich wieder um eine gewöhnliche Filterfrage, wobei diese aber schon im Vorfeld erhoben wurde und nicht erst zur Laufzeit der Befragung.

Ein sehr einfacher Fall kann konstruiert werden, wenn man eine Befragung unter Patienten einer Krankenhauskette bedenkt. Hier könnte man grob zwischen Kindern, Erwachsenen und Senioren unterscheiden. Diese drei Teilnehmergruppen könnte beim gleichen Item oder vielleicht sogar bei der gesamten Befragung eine unterschiedliche Ansprache in den Fragen, andere Beispiele oder eine andere Darstellung der Antworten erfordern. Es können solche kleinen Aspekte sein wie: die persönliche Anrede mit Du oder Sie, die Formatierung für einen barrierefreien Fragebogen oder auch die Darstellung der Antworten über große Piktogramme wie Smileys gegenüber typischen Texten wie {Stimme voll zu, Stimme zu, Teils-Teils…}.

In dem gerade konstruierten Fall läuft man natürlich Gefahr, sich in ein methodisches Risiko zu begeben, wenn bspw. ein für ein Kinderpublikum konstruiertes Beispiel oder eine zu vergleichende Menge an Abbildungen, Audio-/Video-Beispielen sich nicht 1:1 auf die für das Erwachsenen-Publikum erstellten Beispiele für das gleiche Item übertragen lassen oder hier Zweifel aufgekommen sind. In einem solchen Fall ist es methodisch nur dann relativ risikoarm, wenn man sich nicht darauf verlässt, dass ein Indikator genau mit einem Item geprüft wird, sondern immer eine ganze Fragenbatterie zum Einsatz kommt.