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Fragen und ihre Eigenschaften

Nachdem das Phänomen, welches zu untersuchen ist, durch eine Vor-Analyse definiert ist und auch die Teilnehmer, welche für die Untersuchung des Phänomens herangezogen werden sollen, durch eine Stichprobe geklärt sind und auch klar geworden ist, dass eine neue Datenerhebung in Form einer schriftlichen Befragung, eines Interviews oder einer Beobachtung durchgeführt werden soll, kann man sich daran setzen, den Fragebogen zu konstruieren. Dabei gibt es – wie man sich leicht vorstellen kann – eine ganze Reihe an Aspekten, die - sich teilweise überschneidend - zu berücksichtigen sind. Die Auswahl der Fragen hängt von den Indikatoren, die für die Messung des Phänomens oder den es konstituierenden Eigenschaften der Teilnehmer genauso ab wie ihre genaue Formulierung und Darstellung der Fragen und Antworten oder von der Zielplattform, die für den Fragebogen bzw. die gesamte Befragung zum Einsatz kommen soll. Auch wenn man spontan immer an eine Online-Befragung denkt, so ist doch gerade in großen Zusammenhängen wie bspw. einer weltweit angebotenen Befragung sowohl der Einsatz mehrerer Medien (Papier & Bleistift und gleichzeitig eine Online-Variante des Fragebogens) genauso zu berücksichtigen wie Mehrsprachigkeit oder lokale Besonderheiten bei der Frage-Formulierung sowie gesetzliche Restriktionen bei der Indikatoren-Auswahl bzw. ihrer Messung.

Dieses Kapitel versucht nun in einem ersten Teil, die verschiedenen Frage-Arten zu strukturieren und sie miteinander zu vergleichen. Danach folgen Überlegungen, welche die so genannte Dramaturgie des Fragebogens betreffen. Damit sind sein Aufbau und ggf. auch seine Interaktivität gemeint, die natürlich nur in einer elektronischen Auslieferung optimal glänzen kann.


Übersicht

Eine Befragung durchzuführen, ist prinzipiell zunächst keine große Hürde, denn jeder ist in der Lage, bspw. in einer MS Word- oder MS Excel-Datei ein Formular zu entwickeln, es mit Fragen zu füllen und dann an eine Reihe von bekannten Personen im Unternehmen oder außerhalb des Unternehmens zu schicken. Die Berücksichtigung von sozialwissenschaftlichen Techniken und Methoden verbessert dann in jedem Fall die Qualität der ermittelten Daten und der später daraus gewonnenen Ergebnisse, wird allerdings oft bei kleinen oder spontanen Projekten gerne vernachlässigt. Fehler oder systematische Schwächen von Fragebogen und Durchführung des gesamten Projekts fallen dann möglicherweise nicht einmal besonders ins Auge, wenn die Anforderungen an die Ergebnisse eher gering sind und sozusagen nicht tief in den Methodenkoffer der empirischen Sozialforschung gegriffen werden muss.

Doch derartig qualitativ niedrig angesetzte Befragungen erfordern im Regelfall nicht unbedingt das volle Wissen, welches in diesem Einführungsbuch vermittelt wird, sodass sie bewusst ausgeblendet werden sollen. Hier stehen ernsthaft verstandene Datenerhebungsprojekte im Raum, mit deren Ergebnissen auch Modelle entwickelt werden oder Vergleiche mit anderen erhobenen Befragungswellen angestellt sowie gerade im betrieblichen Umfeld auch Prognosen durchgeführt werden sollen. Ein solches Projekt erfordert nicht immer den Einsatz von größten Budgets, denn ein umfangreicher Teil der Arbeit lässt sich auf eine entsprechende Befragungs- und Auswertungssoftware abwälzen. Gerade aber die Planung und das methodische Vorgehen können von keinem Werkzeug mit wenigen Klicks durchgeführt werden. Genau für diesen Bereich werden die in diesem Kapitel vorgestellten Typologien von Fragen und Gegebenheiten in einem Fragebogen dargestellt.

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Typologie nach Antwortvorgaben

Eine gängige Kategorisierung von Fragen betrachtet nicht direkt die eigentliche Frage, sondern die möglichen Antworten bzw. Antwortvorgaben. Durch den starken Einsatz von elektronischen Werkzeugen für die Darstellung und die Auslieferung des Fragebogens sowie seine Steuerung sind hier insbesondere sehr strukturierte Antwortmöglichkeiten hoch im Kurs, obwohl man sich genauso gut auf die Frage als solche konzentrieren könnte und sie bspw. in solche Kategorien wie suggestiv, irreführend, ermunternd oder ironisierend einordnen könnte. Dies wird ja bspw. durchaus bei einer Textanalyse so durchgeführt, wobei allerdings bei einer Befragung dann wohl eher beim gleichen Frageinhalt der Untersuchungsgegenstand lauten würde, ob die Beantwortung der Frage von der Formulierung der Frage und der offensichtlichen Haltung des Interviewers abhängt. Dies jedoch steht typischerweise nur sehr selten und höchstens nur bei einem die Sozialwissenschaften oder die Psychologie selbst zum Forschungsgegenstand besitzenden Projekt im Zentrum.

Stattdessen lassen sich drei verschiedene Dimensionen unterscheiden, mit denen man den Charakter oder die Art einer Frage auf der Grundlage ihrer Antworten einordnen kann.

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Typologie nach Skala

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, lassen sich verschiedene Kategoriensysteme und Typologien für Fragen finden. Die Varianten, solche Gegensatzpaare wie offen-geschlossen zu unterscheiden oder die Existenz von neutralen Antworten und der „Weiß nicht“-Kategorie zu berücksichtigen, ist ein sehr gängiges Verfahren. Es mischt allerdings verschiedene Aspekte miteinander und suggeriert auch bei einer Darstellung in einem Koordinatensystem, einer Matrix oder einem Text, dass alle Varianten miteinander kombiniert werden könnten. Theoretisch ist dies natürlich immer möglich, wenngleich dies nicht immer sinnvoll oder gebräuchlich ist. Es ist nicht sehr häufig, dass man eine Liste von mehreren offenen Fragen findet, die sich an eine Liste von vorgegebenen Antworten anschließen, kann aber durchaus bei sehr offener Fragestellung vorkommen. Es ist auch nicht üblich, eine „Weiß nicht“-Kategorie mit einer zusätzlichen offenen Antwortmöglichkeit zu verwenden, da bei einer leeren Antwort gleichzeitig auch das „Weiß nicht“ zugeordnet werden kann.

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Typologie nach Funktion

Fragen lassen sich auch nach ihrer Funktion kategorisieren. Diese Unterscheidung hat also nichts mit der Skala oder der Art und Weise zu tun, wie man die Antworten präsentiert, sondern betrifft den Grund, warum man gerade diese Frage auf diese oder jene Weise gestellt hat, warum sie gerade an dieser Stelle im Fragebogen erscheint oder welchen Zweck sie über die reine Datenbeschaffung hinaus noch erfüllt.

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