Die Konstruktion eines Fragebogens ist relativ schwierig derart zu beschreiben, dass man sozusagen zu einem Kochrezept kommt, denn im Wesentlichen beschränkt sich die sozialwissenschaftliche Forschung darauf, Typologien von Fragen zu erarbeiten und psychologische Effekte, die durch die Dramaturgie im Fragebogen, d.h. durch die Abfolge und Darstellung/Formulierung der Fragen und Antworten erzeugt werden, zu systematisieren. Durch den Vergleich von gelungenen Formulierungen oder ganzen Fragebögen mit entsprechend weniger gelungenen oder sogar Ergebnisse beeinflussenden Lösungen ist es dann möglich, eine Ahnung davon zu erhalten, wie man einen guten Fragebogen konstruiert. Daher sind auch gerade in diesem Bereich eine externe Unterstützung sowie die eigene Erfahrung in entsprechenden Befragungsprojekten besonders vorteilhaft.
Einige wesentliche Bereiche, die bei der Fragebogenkonstruktion von Bedeutung sind, wurden bereits genannt. Sie sollen kurz noch einmal ausführlicher dargestellt werden.
Fragen lassen sich nach verschiedenen Kriterien unterscheiden, wobei die gleiche Frage auch unterschiedlichen Kategorien zugeordnet werden kann. Gängig ist es hier, nach der Skala einer Frage und nach der Funktion zu unterscheiden.
Es lassen sich weitere Unterscheidungsmerkmale denken, die aber teilweise doch wieder einer der genannten Kategorien zugeordnet werden können und nur bei einer ausführlichen Darstellung von Eigenschaften zu berücksichtigen sind. Dies erfolgt weiter unten.
Fragen sind selbstverständlich Texte, die sowohl in geschriebener wie auch in gesprochener Form Verständnisschwierigkeiten oder sonstige Hürden zur Beantwortung bieten können. Während bei einem Interview noch eine Rückfrage durch den Befragten möglich ist, so ist dies bei einer schriftlichen Befragung nicht denkbar, sofern bspw. kein direkter Chat mit einem Moderator eingebunden ist, was allerdings nur sehr selten der Fall ist. Ein wesentliches Problem besteht darin, dass eine Frage ganz einfach missverständlich formuliert ist. Doch dies sind bei Weitem nicht alle Herausforderungen, die ein Teilnehmer einer Befragung meistern muss. Fragen könnten zu kompliziert formuliert sein, einen mehrdimensionalen Frageinhalt aufweisen, d.h. mehrere versteckte Teilfragen enthalten, verschiedene Bedingungen enthalten, welche je nach Eintritt zu verschiedenen Antworten führen oder auch einfach Begriffe verwenden, die der Teilnehmer nicht kennt. Teilweise kann man auch sagen, dass entsprechend daraus folgende falsche oder inkonsistente Daten der Hemisphäre des Teilnehmers (s.u.) zuzuordnen sind, doch es genügt auch schon, nur die Formulierung der Fragen zu berücksichtigen, um entstandene Fehler zu erklären.
Fragen stehen in verschiedenen Beziehungen zueinander. Darunter sind insbesondere die Reihenfolgen- und die Hierarchiebeziehung besonders wichtig, wenn es darum geht zu beurteilen, ob Antworten möglicherweise aufgrund ihres Umfelds in dieser Form gegeben wurden. Es ist nicht schwierig vorzustellen, dass durch vorherige Fragen zu einem Thema ein Horizont aufgespannt ist, der dazu führt, dass der Teilnehmer sich intensiver mit dem Fragekontext beschäftigt als er dies normalerweise bei einer spontan gestellten Frage gleichen Inhalts tun würde. Durch diese intensive Beschäftigung kann es geschehen, dass er seine Antwort vor dem Hintergrund der vorher gestellten Fragen oder der übergeordneten Thematik abhängig macht. Es ist sicherlich möglich, diesen Effekt auch bewusst einzusetzen und ihn bspw. mit Kontrollfragen in anderen Zusammenhängen zu testen, um darüber hinaus weitere Einstellungen und Meinungen sowie gerade Beeinflussungsfaktoren zu identifizieren, doch häufig ist hier einfach nur ein Fehler des Fragebogens zu sehen.
Zurzeit sind insbesondere Online-Befragungen besonders beliebt. Sie bieten eine Reihe von schnell erkennbaren Vorteilen: die Daten werden unmittelbar in eine Datenbank geschrieben, die dann für die Reinigung und Auswertung bzw. den Export genutzt werden kann; es ist möglich, interaktive Fragebögen zu entwickeln, bei denen insbesondere Kontroll- und Filterfragen dynamisch genutzt werden können und so auch eine komplexe Fragebogensteuerung möglich wird; die gesamte Verwaltung der Befragung wie die Vorbereitung, die Ankündigung, die Erinnerung und möglicherweise auch die Danksagung, die per E-Mail an die Teilnehmer geschickt werden können, lassen sich automatisieren und vor allen Dingen zu absolut geringen Kosten durchführen.
Nichtsdestoweniger gibt es immer noch eine hohe Quote an Papier&Bleistift-Befragungen, deren Daten mit entsprechend hohen Aufwand nachträglich elektronisch erfasst werden müssen und deren Teilnehmer meist ebenfalls über den Postweg rekrutiert und informiert werden müssen. Bei Mitarbeiterbefragungen ist eine solche traditionelle Vorgehensweise bspw. insbesondere bei denjenigen Mitarbeitern notwendig, die gar keinen Zugang zu einem Computer haben, weil sie bspw. in der Montage/Fertigung arbeiten. Bei Kundenbefragungen stellt sich das gleiche Problem, wenn man die Kunden bspw. per Internet nicht unmittelbar nach der Dienstleistung (Check-out im Hotel) erreichen kann, sondern die einzige Möglichkeit ein Papier-Fragebogen auf dem Zimmer ist.
Die Möglichkeiten, die sich online bieten, sind nahezu unbegrenzt. Nicht nur einfache Fragen sind denkbar, sondern sogar Videos oder Audio-Dateien, welche die Fragen, mögliche Antworten oder Beispiele und Hilfe enthalten, können per Hyperlink verknüpft oder in einem so genannten Inline-Frame direkt angezeigt werden. Schieberegler, Farben oder interaktive Sortierungen als Antworten können genauso eingesetzt werden wie eine komplexe Fragebogensteuerung, die auch Validierungen oder sogar automatische Konsistenzüberprüfungen durchführt, die ansonsten nur später bei der Eingabe umgesetzt werden könnten.
Eine sozialwissenschaftliche Studie spielt sich zwar vor einem beeindruckenden theoretischen Hintergrund ab, doch im Fokus der ganzen Arbeit stehen Fragen, die an Teilnehmer gerichtet werden, die so angesprochen werden müssen, dass die schon beschriebenen Verständnisschwierigkeiten nicht auftreten können. Man muss durchaus jetzt nicht nur an mehr im sozialen Bereich liegenden Befragungen denken, die sich an Randgruppen richten, die besondere Formulierungen oder sonstige Berücksichtigung erfordern. Es genügt schon, dass man selbst für den Teilnehmer völlig geläufige Fachtermini falsch einsetzt, ungebräuchliche Wörter benutzt oder für den Teilnehmer keine ansprechenden Beispiele, Vergleiche oder Formulierungen findet.
Teilnehmer an Befragungen haben ein Recht darauf, ernst genommen zu werden, müssen allerdings in vielfältiger Hinsicht motiviert werden, an der Befragung überhaupt teilzunehmen oder auch bei einer längeren Befragung alle Fragebereiche durchzuarbeiten. Teilweise wird eine Befragung auch mit einem Gewinnspiel verknüpft, oder man kann angeben, dass die Ergebnisse der Untersuchung auch an den Teilnehmer gesandt werden. Bei einer anonymen Befragung sind diese beiden Standardlösungen natürlich nicht denkbar. Dann muss der Fragebogen für sich selbst stehen und alleine aus sich heraus interessant genug wirken, um beantwortet zu werden.
Ungeduldige Teilnehmer möchten wissen, wie viel Prozent der Fragen schon bearbeitet sind, müssen aber ggf. auch schon einmal mit einem Jetzt noch ein paar abschließende Fragen hingehalten werden, obwohl doch noch eine ganze Batterie an demographischen Standardfragen kommen. Einige Menschen neigen dazu, sozial erwünschte Antworten zu geben und bspw. gerade auch in einem Interview scheinbaren Konflikten mit dem Interviewer auszuweichen, d.h. solche Antworten zu geben, von denen sie ausgehen, dass der Interviewer sie schätzt und gerne hören möchte. Andere Menschen dagegen möchten die Befragung sabotieren, keine Antworten geben und neigen aus den verschiedensten Gründen zu Über- oder Untertreibungen, irreführenden und inkonsistenten Antworten oder sogar zur Lüge. Im Wesentlichen muss der Fragebogen hier in der Lage sein, die größten Risiken, die in diesem Bereich liegen, zu erkennen und sie natürlich in irgendeiner Weise gar nicht erst zu provozieren.
Schließlich reagieren Teilnehmer unterschiedlich auf die Auslieferung des Fragebogens, die Darbietung der Fragen am Telefon oder durch den Interviewer. Diese Effekte sind im Regelfall nur durch absolut neutrales Verhalten zu verhindern, doch ist es selbstverständlich schwierig, dies für die große Masse der Teilnehmer gleichzeitig mit demselben Verhalten zu erreichen.
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