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Typologie nach Funktion

Übersicht

Bei der Typologie nach Funktion ist das Unterscheidungsmerkmal gerade nicht die rhetorische Funktion, die eine Frage einnehmen könnte, sondern die Funktion, die sie mit Blick auf die Datenbeschaffung, die Steuerung im Fragebogen oder die Führung des Befragten einnimmt. Als rhetorische Aufgabe könnte man sich eine Reihe von bekannten Funktionen denken, wie sie auch in solchen Begriffen wie Suggestiv- oder Angriffsfrage oder verdeckter Frage bekannt sind. In einem seriösen Fragebogen tauchen normalerweise solchermaßen formulierte Fragen nicht auf, wenn es darum geht, hauptsächlich sachbezogene Informationen von einem Befragten zu erhalten. Bei einem Fragebogen, der als Interview-Leitfaden dient oder auch in einer anonymen Form für die Ermittlung von Einstellungen und Meinungen zum Einsatz kommt, könnte man sich durchaus wieder vorstellen, dass auch einmal derartige rhetorische Techniken zum Einsatz kommen, um bspw. überhaupt Antworten zu erhalten, den Teilnehmer zu motivieren oder herauszufordern oder ansonsten eher unterdrückte Antworten zu gewinnen. Doch auch in diesen Begründungen sieht man schon, dass im Vordergrund vermutlich auch in diesen Fällen weniger die Beeinflussung zu einem bestimmten Verhalten in der Gesprächssituation oder zu einer Zustimmung zu Punkten des anderen Gesprächspartners im Vordergrund stehen, sondern die Datenbeschaffung als solche.

Die Abbildung enthält bereits die Übersicht über die verschiedenen Funktionen, die eine Frage in einem Fragebogen einnehmen kann. Auch hier lassen sich wie bei anderen Typologien für Fragen unterschiedliche Unterteilungen vorstellen, die dazu führen können, dass die gleiche konkrete Frage mal in der einen und mal in der anderen Unterkategorie erscheint. In dieser Darstellung wurden als zwei Hauptzweige nun die Funktionen, die eine Frage mehr für den Fragebogen oder mehr zur Ermittlung der Eigenschaften des Befragten einnehmen kann. Da natürlich in jedem Fall Fragen zu den Eigenschaften des Befragten gestellt werden, ermitteln sie auch in jedem Fall Ausprägungen zu seinen Eigenschaften. Eine Funktion für den Fragebogen können die Fragen dann aber einnehmen, wenn diese Daten bspw. direkt vom meist elektronischen Fragebogen ausgewertet und dann für die Anzeige weiterer Fragen oder Änderung von Reihenfolgen von Fragen oder ganzen Seiten/Gruppen genutzt werden. Man kann hier also eine Frage nicht unbedingt nur einer Kategorie zuordnen, sondern geht eher von einer Hauptfunktion aus: eine Frage ermittelt eher die Eigenschaften des oder legt eher Eigenschaften des Fragebogens fest.

Auf der nächsten Ebene folgen dann bereits die verschiedenen Gruppen von möglichen Fragen, welche die Eigenschaften des Befragten fokussieren. Sie werden später noch genauer und auch mit Beispielen vorgestellt. Die Fragen, welche wiederum die Eigenschaften des Fragebogens festlegen, können noch weiter unterteilt werden in solche, welche mehr die Fragebogensteuerung bestimmen, d.h. sein Verhalten auf die Antworten des Befragten festlegen, und solche, welche die Dramaturgie des Fragebogens definieren. Diese Dramaturgie kann auch in einem weiter gefassten Sinn das Verhalten des Fragebogens beschreiben, soll aber hier für die Techniken stehen, mit denen der Befragte in den Fragebogen hineingezogen und motiviert werden soll.

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Fragen zu Eigenschaften des Befragten

Im Zentrum des Fragebogens und selbstverständlich auch im Zentrum der gesamten Untersuchung steht der Befragte mit seinen Eigenschaften. Ihre genauen Ausprägungen sollen es ermöglichen, im Rahmen der Auswertung durch Vergleichsbildung und die Aufdeckung von Zusammenhängen soziale Phänomene zu beschreiben und sogar die Ableitung von ganzen Modellen zu erlauben. Daher ist es sicherlich nicht weiter überraschend, dass die Funktionen in diesem Bereich hauptsächlich in Kategorien eingeteilt werden können, die sich mit den verschiedenen Bereichen decken, in welchen überhaupt Eigenschaften von Befragten gemessen werden können.

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Eine erste Gruppe ist hier der gesamte Bereich der Fragen zu Einstellungen, Meinungen, Überzeugungen und Verhalten. In der zusammenfassenden Abbildung sind hier zwei grafische Symbole verwendet worden, mit denen die Eigenschaften dieser Gruppe dargestellt werden soll. Einstellungen, Meinungen, Überzeugungen und Verhalten bedingen sich gegenseitig in einem komplizierten Wechselspiel, das selbst wiederum nur über komplexe Befragungen und Langzeitstudien detaillierter beschrieben werden könnte. Daher ist hier in der Abbildung ein Doppelpfeil eingetragen, mit dem dieser Wechselwirkungsmechanismus skizziert wird. Die Fragen in dieser Gruppe betreffen sozusagen die im Kopf und im Bauch (die Seele ist leider auch in dieser Zeichnung nicht genauer verortet als bei den alten Griechen) vorhandenen Eigenschaften des Befragten. Sein Verhalten wäre dagegen nur von außen zu beobachten.

Eine zweite Gruppe sind die Fragen zur Demographie (Alter, Geschlecht, Zivilstand, Einkommen, Beruf, Bildung), die einen umfangreichen Kanon ausmachen und in vielen Befragungen mit berücksichtigt werden. Es gibt einen sehr ausgeprägten Glauben daran, dass diese Eigenschaften in einem signifikanten Maße die Einstellungen, Meinungen, Überzeugen und Verhalte, d.h. also die gesamten Unterkategorien der ersten Gruppe, determinieren. Teilweise werden diese demographischen Merkmale fast automatisch erhoben wie ein Standard-(Teil-)Fragebogen. Oftmals werden die entsprechenden Kategorien wie insbesondere Geschlecht und Alter, welche in den in den Medien publizierten Umfrageergebnissen typischerweise als Standard-Gruppierungsmerkmale verwendet.

Die Gruppe der zeitbezogenen Fragen lässt sich reduzieren auf die beiden Bereiche der vergangenheits- und zukunftsbezogenen Fragen. Man könnte diese Fragen auch ganz einfach den verhaltensbezogenen Fragen zuordnen, weil sie ja tatsächlich Verhalten abfragen. Dieses Verhalten findet nicht in der Gegenwart statt und wird daher auch nicht beobachtet oder zur Durchführungszeit vom Befragten beschrieben, sondern hat definitiv schon stattgefunden oder soll noch stattfinden. Wünsche können aber auch als alternative Gegenwarten und zukunftsbezogene Situationen bzw. Zustände verstanden werden, die nicht durch das eigene Verhalten hervorgerufen worden sind oder provoziert werden müssen, sondern die durch beliebige äußere Umstände abgebildet werden. Daher bleibt zunächst als Gemeinsamkeit der Zeitbezug in dieser Gruppe als Unterscheidungsmerkmal zurück. Man kann die anderen Fragen auch immer zeitbezogen verstehen, weil die Zeit immer auch eine entscheidende Komponente bei unserem Erleben und Verstehen der Wirklichkeit ist. Bei Fragen zu Einstellungen fragt man im Regelfall nach heutigen und nicht nach vergangenen Einstellungen, doch können geänderte Überzeugungen aufgrund sich veränderter demographischer Merkmale durchaus ein fruchtbares Untersuchungs- und Auswertungsfeld darstellen.

Schließlich bleiben die W-Fragen (Interrogativpronomen: wer, wo, wann, wie, warum, wozu, wohin) übrig, die insbesondere nach Fakten fragen. Allerdings gehören diese Fakten sicherlich zu einem wesentlichen Anteil zu den anderen Gruppen und dienen evtl. nur einer besonders klaren Sprache, die für ein hohes Verständnis der formulierten Frage sorgen will. Da aber Klarheit in der Kunstlehre der Fragebogenkonstruktion ein hohes Gut darstellt, sollen sie hier eine eigene Gruppe bilden.

Fragen zur Fragebogen-Unterstützung

Es ist klar, dass letztendlich alle Fragen in einem Fragebogen die Eigenschaften des Befragten betreffen. Beim Einsatz eines Fragebogens bspw. für einen Eignungstest würde man zwar möglicherweise Wissensfragen oder Denkaufgaben stellen, deren Antworten einen völlig anderen Inhalt als die Meinungen, Einstellungen oder demographische Werte des Befragten aufwiesen, doch sogar in diesem Fall interessiert sich das den Test durchführende Unternehmen nicht wirklich dafür, welches die nächste Zahl in einer Zahlenreihe ist oder welches geometrische Muster gespiegelt und gedreht nicht in der vorgeschlagenen Liste enthalten ist, sondern für die Konzentrationsfähigkeit, das Denken im dreidimensionalen Raum oder die Stressresistenz. Es ist also zunächst pauschal davon auszugehen, dass bei einer traditionellen Befragungssituation die Eigenschaften des Befragten im Fokus stehen. Bei einer strukturierten Beobachtung, die mit Hilfe eines Fragebogens durchgeführt wird, mag sich das nur scheinbar anders verhalten. Hier interessiert zwar nicht die Meinung des Befragten, doch dieser tritt in der Rolle eines Übermittlers zwischen der sprachlosen beobachteten Sache und dem Fragebogen auf, sodass auch hier im Fokus die Eigenschaften eines untersuchten Objekts stehen.

Nichtsdestoweniger gibt es einige Fragearten, deren wesentlicher Charakter darin liegt, sozusagen einen Kitt zwischen einzelnen Fragen, Fragegruppen oder Ansichten zu bilden. Sie sind in der nachfolgenden Abbildung in einem sehr schematisierten Fragebogen untergebracht.

  • Eine erste Gruppe bilden hier die Fragen, welche die Dramaturgie des Fragebogens bestimmen. Sie dienen dazu, den Teilnehmer für den Fragebogen zu interessieren, seine Motivation an der Teilnahme zu erhöhen oder sogar erst einmal einzurichten und natürlich auch über den gesamten Fragebogen hinweg aufrecht zu erhalten. Hier gibt es bspw. einfache Einstiegs- oder Motivationsfragen, mit denen man den Teilnehmer auf den Fragebogen einstimmen kann. Hier können auch weitere taktische Gründe eine Rolle spielen. Bspw. ist es eine empfehlenswerte Strategie, mit einfachen Fragen zu beginnen, die jeder gut beantworten kann, und dann erst die Komplexität sowie auch die Bedeutung für das eigentlich interessierende Thema zu erhöhen und dabei evtl. auch genauere und persönlichere Fragen zu stellen.
  • Eine zweite Gruppe dient der Fragebogensteuerung. Hier stechen die beiden Fragearten Kontroll- und Filterfrage besonders heraus.
    • Eine Filterfrage richtet die Bedingtheitsbeziehung zwischen Fragen ein. Wenn eine solche Frage beantwortet wurde oder darüber hinaus auch noch eine bestimmte Antwort geliefert hat, kann eine Bedingung sein, dass bestimmte andere Fragen dann beantwortet oder gerade nicht beantwortet werden müssen. In einem Papier-Fragebogen findet man an dieser Stelle zwangsläufig einen Hinweis darauf, im Falle einer bestimmten Antwort zu einer anderen Fragennummer zu wechseln. Bei einem elektronischen Fragebogen kann dies so geschehen, dass der Befragte gar nicht merkt, dass die ursprüngliche Reihenfolge geändert wurde oder er in einem anderen möglichen Weg den gesamten Fragebogen durchläuft.
    • Eine Kontrollfrage dagegen prüft den gleichen Indikator an einer anderen Stelle im Fragebogen entweder mit der gleichen oder einer veränderten Formulierung oder sogar einer ganz neuen Frage. Ändert man hier auch noch die Reihenfolge der möglichen Antworten, den Tonfall/die Formulierung der Antworten oder verändert die Skalendifferenzierung, kann man eine Reihe von typischen Herausforderungen meistern wie: durchführen einer Plausibilitäts- und Konsistenzprüfung, ermitteln einer Ja-sage-Tendenz oder erkennen von unsinnigen Antworten.

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