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Typologie nach Skala

Skala und Auswahlregel in Kombination

Die zuvor erwähnten Schwierigkeiten liegen zum einen an der Darstellung als Grafik oder Matrix, zum anderen aber auch an den Unterscheidungen, welche die verschiedenen Dimensionen scheinbar gleichrangig für die diversen Fragearten anbieten. Eine weitere Möglichkeit, Fragen bzw. in Wirklichkeit Antworten zu charakterisieren und in eine Typologie zu überführen, bietet die Unterscheidung nach der Skala. Hierbei setzt man zunächst auch wieder voraus, dass gerade nicht die Frage im Vordergrund steht, sondern diese nur irgendein beliebiger Text ist, der auf eine zu messende Eigenschaft abzielt. Die Antwort bietet dann entweder mögliche Werte direkt an (Auswahl) oder erlaubt eine freie Antwort.

Man kann also zunächst einmal in zwei Kategorien einteilen, die für alle Fragen gelten: in solche, die eine Zwangsbedingung besitzen und die man also in einer bestimmten Weise beantworten muss und in alle anderen, die beliebig beantwortet werden können. Im Normalfall hat man es allerdings nur mit solchen zu tun, die eine Zwangsbedingung aufweisen, was alleine schon an den Auswertungsmöglichkeiten liegt, die nur dann ausgeschöpft werden können, wenn eine vorgegebene Skala eingehalten wird. Auf einer weiteren Ebene kann man dann weiter unterteilen, ob die möglichen Antworten vorgegeben sind oder ob man grundsätzlich frei antworten kann, hier aber verschiedene weitere Bedingungen zutreffen. Im Wesentlichen sind diese weiteren Bedingungen vom Datentyp der Antwort abhängig, sodass hier theoretisch feinere Unterteilungen möglich sind, die aber nur scheinbar eine bessere Kategorisierung ermöglichen. Die Antwortvorgaben wiederum kann man dann wiederum als eine Auswahl oder eine Bewertung verstehen. Die Auswahl ist die häufigere Variante, denn dies sind die Kontrollkästchen oder Optionsfelder, die man auswählt, wobei als weitere Unterteilung die Wiederholbarkeit der Auswahl noch als Charakteristikum herangezogen werden kann. Die Bewertung ist gerade bei Massenbefragungen eine eher selten eingesetzte Antwortvorgabemöglichkeit, die aber sozialwissenschaftlich sehr interessante Auswertungsoptionen bietet und auch dem Befragten eine differenziertere Möglichkeit bietet, seine Antwort abzugeben. Hier lassen sich dann wiederum verschiedene Bewertungsweisen betrachten, die beispielhaft hier als sortieren und Punktevergabe bezeichnet werden.

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Die in der typischen Kategorisierung so beliebte Unterscheidung, ob es eine neutrale Antwort oder die „Weiß nicht“-Kategorie gibt, ist dann weniger von Bedeutung. Beide genießen bei der Erstellung und Auswertung von Fragebögen einen eher zweifelhaften Ruf, weil man damit Antworten erhält, die man möglicherweise nicht wünscht. Keine Antwort ist zwar auch eine Antwort, doch wenn ein Teilnehmer nur deswegen keine gibt, weil er eher zu einer negativen Antwort tendiert, wäre es möglicherweise aus Sicht der Befragung besser gewesen, keine von beiden Vermeidungsgelegenheiten anzubieten. Die neutrale Antwort ist allerdings noch weniger unangenehm für die Auswertung als die „Weiß nicht“-Kategorie, denn eine „Teils-Teils“-Antwort liegt ja einfach nur genau in der Mitte des Intervalls und ist keine Antwortvermeidung oder sogar Antwortverweigerung wie bei einer "Weiß nicht"-Antwort. Man fürchtet die Befragten, die schnell einen Fragebogen durcharbeiten wollen und daher immer neutral oder gar nicht antworten. Andererseits muss man auch hier berücksichtigen, dass inkorrekte Daten auch durch eine permanente zufällige Antwort entstehen können, die man erhalten kann, wenn man keine von beiden Ausweichmöglichkeiten anbietet.

Typologie ausschließlich nach Skala

Eine letzte Variante geht noch einen Schritt weiter und stellt die Skala stärker in den Vordergrund. Die Auswahlregeln nimmt man dabei vollständig als Unterscheidungsmerkmal heraus. Stattdessen geht man davon aus, dass die Auswahlregeln den einzelnen Fragen zugeordnet werden können und in einer eigenen Hierarchie gepflegt und aufbereitet werden. Zwischen diesen beiden Bäumen muss dann genauso eine Beziehung eingerichtet werden (welche Antwortart ist welcher Auswahlregel zugeordnet?) wie zwischen der Auswahlregel und der Art der Darstellung (welche Auswahlregeln kann wie dargestellt werden?). So gelangt man zu einer Aufteilung der Kategorien in vier Bäumen, nämlich den Merkmalsraum der Antwort, d.h. die Skala, die zugeordnete Auswahlregel, die Beziehungen zwischen den Fragen und die Funktionalität der Benutzerschnittstelle.

Die Abbildung von Beziehungen zwischen den Fragen, den Gestaltungsweisen der Benutzerschnittstelle und die verschiedenen Varianten der Auswahlregeln hängen zwangsläufig sehr eng zusammen und reichen in die Hemisphäre von Fragebogensteuerung, Dramaturgie des Fragebogens oder Design der gesamten Befragung hinein, sodass sie für die reine Typologie der Fragen keine Rolle spielen. Daher liegt an dieser Stelle der Fokus auf dem Baum, welcher den Merkmalsraum der Antwort repräsentiert.

Als Merkmal gilt in diesem Fall der Indikator, der für die Messung eines Phänomens herangezogen wird. Er kann Ausprägungen annehmen, wobei ein Objekt als Merkmalsträger ein oder mehrere Werte aus den möglichen Werten dieses Merkmals besitzen kann. Als Merkmalsraum bezeichnet man daher in diesem Zusammenhang die Menge der möglichen Antworten. Dies kann bspw. ein Kontinuum sein wie er bei einer Anzahl, einem Gewicht oder sonstigen schon numerisch vorliegenden Werten vorliegt oder auch eine abgeschlossene vorgegebene Menge wie dies bei vielen Fragen zu Meinungen, Bewertungen oder Kategorien sein kann.

Der Merkmalsraum der Antwort wird in einer ersten Stufe in zwei Zweige zerlegt: Entweder ist er nominal-skaliert, was bei solchen Wertelisten wie {Mann, Frau} für Geschlecht oder {kurze Lieferzeit, Verfügbarkeitsanzeige online, Abholung bei Rückgabe} für Servicewünsche der Fall ist, oder er ist ordinal-skaliert, was auch bei der beliebten Fünfer- oder Dreier-Skala mit solchen Werten wie {Stimme zu, Teils-Teils, Lehne ab} zutrifft. Man kann sich auf diese beiden Skalen beschränken, da eine metrische Skala auch die Eigenschaften der ordinalen Skala enthält und die Unterscheidung in nur ordinal-skalierte oder metrisch-skalierte Merkmalsräume auf der nachfolgenden Ebene vorgenommen wird. Auf einer metrischen Skala lässt sich dann noch unterscheiden, ob der Merkmalsraum stetig oder diskret ist. Dies ist für die Auswertung und auch für die Anzeige von besonderer Bedeutung, wobei das entscheidende Kriterium in diesem Baum die Auswertung sein soll. Der ausschließlich nominal-skalierten Merkmalsraum teilt sich dagegen in zwei verschiedene Arten von Wertelisten auf, wobei das Unterscheidungsmerkmal hier das offene Element auf.

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In der zusammenfassenden Abbildung sind wiederum drei Achsen eingetragen, wobei hier die Dimension der grafischen Darstellung fehlt, da sie hauptsächlich von der Skala und der Auswahlregel abhängt und nicht die Art der Frage beschreibt. Eine Liste an Kontrollkästchen mit einer Mehrfachauswahl ist die Darstellung einer Frage mit einer Einzelwert-Liste als Merkmalsraum, aber es ist nicht selbst die Frageart.

Neben der Skala, die hier die vier verschiedenen Fragearten darstellt, wird das gesamte Koordinatensystem noch von den bis jetzt nicht weiter besprochenen Beziehungen und der in diesem Zusammenhang noch nicht weiter ausgeführten Auswahlregeln aufgespannt. Beide charakterisieren nicht die Frage als solche, sondern werden ihnen als weitere Eigenschaften zugeordnet, doch zeigen sie in ihrer Gesamtheit das Datenmodell, das für einen Fragebogen im Bereich der Frage-Antwort-Struktur notwendig ist.

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Die Beziehungen zwischen den Fragen lassen sich in die drei Hauptgruppen Hierarchie, Reihenfolge und Bedingtheit einordnen. In einem Fragebogen gibt es normalerweise einen vorgeschriebenen Weg, der durch die Reihenfolge der Fragen abgebildet wird. Man kann sich auch Fragebögen mit wahlfreiem Zugriff vorstellen, doch dieses ist eher selten zu finden. In jedem Fall jedoch gibt es eine Reihenfolgestruktur der Fragen. Darüber hinaus können Fragen zu Gruppen zusammen gefasst werden, da sie den gleichen Themenkreis bearbeiten oder über irgendein anderes Charakteristikum vergleichbar sind oder zusammen gefasst werden können. Schließlich gibt es auch Abhängigkeiten zwischen Fragen, die insbesondere in der Existenz-Abhängigkeit besonders deutlich wird. Wenn eine Frage überhaupt beantwortet wurde oder mit einer speziellen Antwort beantwortet wurde (Auswahl einer bestimmten vorgegebenen Antwort, Überschreiten eines Schwellwerts bei der Auswahl aus einem Kontinuum), dann kann es bspw. notwendig sein, eine bestimmte Frage(ngruppe) ebenfalls zu beantworten oder sie stattdessen zu überspringen.

Die Auswahlregel wird als eigene Dimensionen abgebildet, da meistens für die gleiche Art von Frage verschiedene Regeln zum Einsatz kommen könnten und nur in einigen Fällen besonders typische oder in der Praxis beliebte Kombinationen von Auswahlregel und Frageskala auftreten. Besonders häufig ist es, dem Befragten eine Auswahl an Antwortmöglichkeiten in Form von Options- oder Kontrollkästchen anzuzeigen, aus denen er also einmal oder mehrfach seine Antwort auswählen kann. Dies wird zusätzlich noch unterschieden in zwei Unterarten. Auswahl aus Kontinuum bedeutet hier, dass die Antwortvorgaben nicht alle aufgezählt im Fragebogen erscheinen (können), sondern vielmehr eine bspw. numerische Eingabe vom Befragten erwartet wird. Bei der Auswahl aus der Liste handelt es sich dagegen um den ganz klassischen und sicherlich auch gerade im Online-Fragebogen häufigsten Fall, in dem eine meistens fünf und im höchsten Fall nicht mehr als zehn Möglichkeiten umfassende Liste mit allen interessierenden Antworten angezeigt werden soll.

Als weitere Auswahlregel kommt noch die Bewertung ins Spiel. Hier gibt man dem Befragten die Möglichkeit, bspw. Punkte zu vergeben, womit eine prozentuale Verteilung vergeben werden soll. Die Sortierung erlaubt eine einfache Rangordnung, in der bspw. Schulnoten vergeben werden können (was auch bei der Bewertung zum Einsatz kommen kann) oder in der ganz einfach nur überhaupt eine Reihenfolge verwendet wird, ohne dass ein direkter Bezug zu anderen bekannten Systemen gegeben wird. Die Hitparade bietet dabei insbesondere den Vorteil, dass die Abstände zwischen den einzelnen Plätzen nicht gleich sein müssen. Grundsätzlich ist dies möglich, wobei dann auch schon einmal leere Plätze übrig bleiben, aber im Regelfall sortiert der Befragte die Antworten einfach nur anhand einer Kategorie wie bspw. der allgemeinen Wichtigkeit/Bedeutung für ihn.