Ausgehend von nominal definierten Begriffen möchte man im Rahmen einer
Studie, die mit den Mitteln der empirischen Sozialforschung arbeitet, die
Eigenschaften (Qualität) und ihre Ausprägungen (Quantität) der die
Begriffe in der Wirklichkeit repräsentierenden Phänomene erfassen,
genauer beschreiben oder nachweisen. Dies kann dann in vielfältiger Weise
genutzt werden, wobei hier die reine Beschreibung meistens nur ein erster
Schritt ist. Ihm schließt sich an, auf Basis der ermittelten
Eigenschaften und ihrer Zusammenhänge untereinander wiederum Prognosen
über das Auftreten oder die zukünftige Entwicklung des Phänomens zu
treffen, evtl. es auch in der Vergangenheit zu entdecken und
Schlussfolgerungen über davon beeinflusste Gegebenheiten in der
Vergangenheit zu treffen. Mit einer Reihe von Phänomenen, die in
Beziehungen und Wechselwirkungen zueinander stehen, kann man Theorien
bilden, die in einem größeren Zusammenhang eingebettet sind oder genau
diesen Zusammenhang für andere Phänomene bilden. In diesem Kapitel geht
es nun darum, die verschiedenen Techniken und Begrifflichkeiten zu
klären, welche für die Messung, d.h. die eigentliche Tätigkeit des
Nachweisens von Ausprägungsmerkmalen und ihren einzelnen Werten,
notwendig sind.
Eine Befragung ist ausschließlich darauf ausgerichtet, Werte zu erheben, die
vorrangig als Antworten zu Fragen von Personen erhoben werden. An zweiter Stelle
kommen strukturierte Beobachtungen, die zu Daten führen, die an Objekten oder
auch wieder an Personen erhoben werden, wobei diese keine eigenen Antworten
geben, sondern ihr Verhalten beobachtet und interpretiert wird. In diesem Abschnitt
sollen daher grundlegende Überlegungen präsentiert werden, die genau diesen
Messvorgang durchleuchten.
Unter Operationalisierung versteht man in der empirischen Sozialforschung
die Angabe von Korrespondenzregeln, d.h. ein Satz an Messanweisungen, mit
denen Sachverhalte zu einem interessierenden Phänomen beobachtet und
datentechnisch erfasst werden. Ob dies tatsächlich durch eine Beobachtung
im eigentlichen Sinne oder durch eine Selbstauskunft im Sinne einer
Befragung oder durch einen speziellen Test in einem Labor erfolgt, ist
dabei unerheblich. Wichtig ist vielmehr die Feststellung, dass sich
natürlich nur solche Sachverhalte überhaupt erfassen lassen, die man auch
tatsächlich beobachten kann. Eine Unterscheidung von Variablen in
manifeste und latente ist zunächst nur eine zweigeteilte Beschreibung von
möglichen Variablenarten, die allerdings einen so sehr übergeordneten
Rahmen besitzt, dass man wohl davon ausgehen kann, dass sie alle
möglichen Variablen beschreiben kann.
Doch für eine Messanweisung ist diese Einteilung nur insoweit nützlich, als dass man festhalten kann, dass natürlich nur manifeste Variablen überhaupt für eine Beobachtung zum Einsatz kommen können. Eine latente Variable kann schon wieder derart abstrakt sein, dass sie selbst wieder zu einem interessierenden Phänomen werden kann, welches sich nur durch eine eigene (Teil-)Untersuchung überhaupt erheben lassen kann. Dabei geht es nicht darum, dass man einen Variablenwert bspw. durch Verrechnung oder sonstige mathematische Verarbeitung (Gewichtung, Quotierung, Differenzbildung zu einem anderen Wert) ermittelt, sondern dass man sie tatsächlich direkt beobachten kann.
Ein wesentlicher Schritt bei der Ableitung einer Theorie oder eines
Modells auf Basis eines angenommen Modells oder einem durch vorhergehende
Überlegungen sowie anderen Quellen vermuteten Modell besteht in der so
genannten Messung. Auf Basis der Nominaldefinition kann man Indikatoren
ableiten, die für die Messung auch von sozial komplexen Phänomenen
herangezogen werden können. Die eigentliche Modellbildung kann erst im
Rahmen der Auswertung auf Basis der erhobenen Daten erfolgen.
Dieser Abschnitt stellt nun die verschiedenen Überlegungen vor, die im Rahmen der Messung notwendig sind, und geht auf die verschiedenen Skalentypen ein, die sowohl für die Darstellung von Fragen und die Auswertung von Antworten bedeutsam sind.
