Man kann zunächst einmal unterscheiden, ob man eine Total- oder Teilerhebung
durchführt. Im ersten Fall untersucht man wirklich alle zur Verfügung
stehenden Objekte, im anderen Fall dagegen führt man diese Untersuchung nur
auf einem Ausschnitt der so genannten Grundgesamtheit durch. Mit diesen erhobenen
Daten schließt man dann auf die entsprechenden Daten der Grundgesamtheit,
wobei im einfachsten Fall die gleichen Werte gelten sollen und zur korrekten Abbildung
zwischen Stichprobe und Grundgesamtheit Intervalle gebildet werden, in denen der
erwartete Wert der Grundgesamtheit liegt. Dies ist Aufgabe der induktiven/schließenden
Statistik. Auch wenn in vielen Untersuchungen auf diesen Umstand gar nicht weiter
hingewiesen wird, d.h. man gar nicht erfährt, ob die ermittelten Eigenschaften
nun auch für einen größeren Zusammenhang gelten sollen oder einfach
nur die Werte aus der Befragung präsentiert werden, ist es für eigene
Untersuchungen selbstverständlich von entscheidender Bedeutung, ob man Rückschlüsse
auf eine Grundgesamtheit vornehmen will, lediglich die Daten der durchgeführten
Befragung aufbereitet oder ob man sogar alle denkbaren Objekte der Grundgesamtheit
untersucht hat.
Dieser Abschnitt führt zunächst in die verschiedenen grundsätzlichen
Begrifflichkeiten und Überlegungen, die in diesem Themenbereich wesentlich
sind, ein und stellt dann für die Standardaufgabe, dass Daten für die
Grundgesamtheit an einer Stichprobe derselben ermittelt werden, verschiedene Verfahren
vor, mit denen schließlich die Elemente der Stichprobe bestimmt und dann
die erhobenen Werte auch grundsätzlich so verarbeitet werden, dass man die
Eigenschaften der Grundgesamtheit von ihnen ableiten kann.
In der Tagespresse wimmelt es förmlich nur so von Befragungsergebnissen,
mit denen die interessantesten und ungewöhnlichsten Themengebiete beackert
werden. Wechselt man von der gedruckten Presse zur elektronischen oder auch anderen
eher textbasierten Angeboten, sieht man sich oft mit meist sehr überschaubaren
Befragungsformularen konfrontiert, die um die eigene Aufmerksamkeit buhlen und
die gerade auf Community-Seiten besonders für so genannte Abstimmungen oder
spontane Meinungsumfragen genutzt werden. Befindet man sich in der Fußgängerzone,
wird es einem schon einmal passiert sein, dass man zwar ganz nah am typischen
SoWi-Studenten vorbei gegangen ist, der einen Fragebogen in der Hand hielt, einen
selbst aber offensichtlich gar nicht ansprechen wollte, oder dass man scheinbar
aus einer Menge von Passanten fast schon zielgerichtet herausgegriffen wird, weil
man in das „Beute-Raster“ der entsprechenden Studie zu passen schien.
Vielleicht ist es jedoch auch schon einmal vorgekommen, dass eine hektisch gesprochene
erste Frage wie bspw. nach den üblichen demografischen Merkmalen, vielleicht
aber auch sogar nach den anscheinend im Fokus der Befragung stehenden Thematik
scheinbar unabhängig von der positiven Antwort dazu geführt hat, dass
man doch nicht für die Befragung „geeignet“ schien. Möglicherweise
ist man aber auch schon einmal in die Datenbank einer längerfristig angelegten
Studie geraten, die man bspw. als Student ganz gerne beantwortet hat, die dann
aber doch beim Eintritt in den Beruf zeitlich und auch thematisch nicht mehr passend
schien, sodass man die eingehenden E-Mails mit Erinnerungen und Erinnerungen an
die Teilnahme ignorierte, bis man offensichtlich für die Befragung im wahrsten
Sinne des Wortes „gestorben“ schien. In ganz seltenen Fällen
konnte es sogar schon einmal passieren, dass man über ungewöhnliche
Umwege eine Anzeige gelesen hat oder sogar direkt angesprochen wurde, ob man an
einer intensiven Befragung in Interview- oder sogar Dokumentationsform teilnehmen
möchte, bei der das Innerste nach außen gekehrt und die Anonymität
so gut wie gar nicht gewahrt wurde, dafür aber eine relativ große Öffentlichkeit
mit der eigenen Persönlichkeit und der eigenen Meinung konfrontiert werden
sollte.
Die zur Auswahl stehenden Verfahren, mit deren Hilfe man eine Stichprobe ziehen kann, sind sehr zahlreich und bieten durchweg gute Chancen, bei korrektem und ernsthaftem Vorgehen, das man insbesondere an den jeweiligen Voraussetzungen in einem Soll-Ist-Vergleich gut ablesen kann, eine passende Stichprobe zu ermitteln. Manchmal ist gerade die eigentliche Anwendung des Verfahrens weniger eine Herausforderung als die dafür benötigten Daten zu beschaffen, auf denen sie angewandt werden. Sinn und Zweck der Stichprobenermittlung ist es, die Eigenschaften der Grundgesamtheit aus den Eigenschaften der Stichprobe abzuleiten. Dabei kommt es nicht darauf an, eine genaue Punkt-Schätzung oder Punkt-Vorhersage vorzunehmen, sondern vielmehr Intervalle angeben zu können, in denen sich bspw. mit einer Wahrscheinlichkeit von 90% oder 95% der gesuchte wahre Wert befindet. Um nun eine solche Vorgehensweise überhaupt angemessen begründen zu können, muss man dafür sorgen, dass die ermittelte Stichprobe von vornherein den Strukturen der Grundgesamtheit entspricht. Da man allerdings diese Strukturen im Normalfall (noch) nicht kennt und auch bei bekannten Strukturen nicht sicher sagen kann, ob sie sich seit der letzten (Total-)Erhebung verändert haben, kann man nur über das Verfahren der Stichprobenermittlung versuchen, eine geeignete Teilmenge auszuwählen. Das entscheidende Merkmal ist hier, dass jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche relative Wahrscheinlichkeit hat, in die Stichprobe aufgenommen zu werden.
