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Verfahren der Stichproben-Ermittlung

Einfache Zufallsstichprobe

Ein wichtiger Begriff bei der Stichprobe ist der Zufall. Jedes Element der Grundgesamtheit soll die gleiche Wahrscheinlichkeit haben, in der Stichprobe aufgenommen zu werden. Ein typisches Bild ist hier die Lostrommel oder die Urne. Sie enthält Stellvertreter der eigentlich interessierenden Grundgesamtheit, d.h. eine pratikable und überhaupt zu verarbeitende Menge an Datensätzen, die man sich natürlich am besten elektronisch vorstellt. Die wesentliche Voraussetzung ist hier also, dass man Zugriff auf die Grundgesamtheit besitzt und ihre Daten in zumeist elektronischer Form in einen neuen Datenspeicher übertragen kann.

Einfache Lösungen, die allerdings normalerweise doch das Risiko eines systematischen Auswahlfehlers tragen, wären hier, nicht vorher tatsächlich alle Elemente der Grundgesamtheit zu ermitteln und sie zu sammeln, sondern von vornherein nur ihre Repräsentanten zu verwenden. Die einfachste Technik in diesem Bereich ist es, die Telefonnummer zufallsgeneriert zu erzeugen und diese dann als Zugriffsschlüssel für den Kontakt mit den Teilnehmern zu verwenden. Die übliche Gefahr auch bei diesem Verfahren besteht darin, dass nicht jedes Element der Grundgesamtheit ein Telefon besitzt. Dies kann in Extremfällen auch heute noch durchaus der Fall sein. Durch die weite Verbreitung von Mobiltelefonen besteht zudem auch in verschiedenen Zielgruppen ein hoher Anteil an Personen, die ausschließlich mobil telefonieren. Dies könnte man zwar leicht dadurch berücksichtigen, dass man dieses Verfahren dann auch wieder auf die verschiedenen Vorwahlen von Mobilfunkanbietern anwendet, doch müsste die jeweilige Anzahl der Ziehung eines Anbieters strukturell mit der Kundenreichweite in der Grundgesamtheit übereinstimmen. Vorher nun zu wissen, welche Personen ausschließlich mobil telefonieren und daher nicht auch schon über die Festnetznummern erreicht werden können, oder wie viele Kunden dies wiederum pro Mobilfunkanbieter anbetrifft, oder wie viele Teilnehmer mehrere Telefonnummern nutzen, zeigt, dass die perfekte Zufallsstichprobe mit diesem Verfahren nicht erreicht wird.

Man differenziert innerhalb der einfachen Zufallsstichproben noch einmal die systematischen Auswahlverfahren. Schon bei den Überlegungen zu den Telefonnummern klang durch, dass man dem Zufall ein wenig nachhelfen kann, wenn man ohnehin keine Liste der Grundgesamtheit besitzt. Die systematischen Verfahren basieren auf einer Auswahlregel wie bspw. „ziehe jedes dritte Element“. Wie die Elemente bestimmt werden, kann nun erstens fast frei festgelegt werden und zweitens auch schon neben grundsätzlichen Vorbehalten gegenüber dieser beliebten Methode einen systematischen Fehler in die Auswahl bringen. Theoretisch könnte es sein, dass die Strukturen in der Grundgesamtheit genau kongruent zu denen des systematischen Auswahlverfahrens sind. Dies würde bedeuten, dass jedes n-te Element die gleichen Eigenschaften besitzt und man daher alle verschiedenartigen Elemente gar nicht abrufen kann. Wie immer ist dies alles scheinbar sehr exotisch, weswegen man auf der einen Seite hofft, dass die eigene Untersuchung dieses Risiko nicht birgt, während man auf der anderen Seite jedoch immer wieder feststellen muss, dass aber doch gerade viele Marketing-Untersuchungen in der Fußgängerzone vormittags zwischen der Statistik- und der Recht-Vorlesung stattfinden, wenn doch recht viele Menschen eigentlich zur Arbeit gehen und praktisch keine Chance haben, an der Befragung teilzunehmen. Ob sie dann wiederum abends überhaupt Lust und Zeit hätten, sich mit der Befragung zu beschäftigen, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

Mehrstufige Zufallsstichprobe

Die mehrstufigen Auswahlverfahren setzt man dann ein, wenn es keine Möglichkeit gibt, die benötigten Erhebungseinheiten in einem einzigen Schritt aus der Grundgesamtheit zu bestimmen. Stattdessen führt man mehrere hintereinander geschaltete einzelne Zufallsauswahlen durch, bis man zu den eigentlich interessierenden vorstößt. Das Verfahren zwingt sich geradezu auf, wenn eine derartige Struktur in der Grundgesamtheit vorliegt, die auch Auswirkungen auf die Eigenschaften der Elemente besitzt. Hierbei handelt es sich typischerweise um geografische Strukturen, die man bei mehr willkürlich festgelegten Mustern wie Wahlkreisen oder sogar hierarchisch gegliederten Mustern wie Land-Bundesland-Stadt vorfindet. Auch zeitliche Muster wie bei Untersuchungen von Pendlerströmen, Schichtarbeitern bei Betrachtung der Zeitorganisation oder des Zeitpunkts von Merkmalen sowie wie bei Untersuchungen, welche das Alter und damit ein direkt mit den Untersuchungseinheiten zusammen hängendes Merkmal berücksichtigen. Schließlich kann es Gruppen geben, die durch beliebige Klassifikationen abgeleitet werden, wobei diese dann immer mehr auch umfangreiche Voruntersuchungen und raffinierte Auswahlverfahren erfordern, um diese Klassifikationen zu trennen. Kurz gesagt: eine Trennung von Teilnehmern anhand ihres Wohnortes kann sogar entlang der gerade erwähnten natürlichen Hierarchie erfolgen, doch eine Klassifizierung von Kunden mit einer definierten Hierarchie erfordert es, zunächst diese Klassifizierung festzulegen und irgendwie auch die Gruppen zu erkennen.

Man erhebt also in einer ersten Stufe die gewünschten Elemente nicht aus der gesamten Grundgesamtheit ohne Betrachtung weiterer Merkmale, sondern aus vorher bekannten Gruppen. Diese nennt man Primäreinheiten. Für jede einzelne dieser Primäreinheiten setzt man dann das Verfahren fort, sollte sich die Struktur der Gruppen bspw. als Hierarchie darstellen. Fortgesetzte Untergruppen nennt man dann Sekundäreinheiten.

Ein besonderes Vorgehen ist zu berücksichtigen, sobald die Primäreinheiten sehr unterschiedliche Größen haben, was in vielen Fällen zutrifft. Die Voraussetzung für eine tatsächliche Zufallsauswahl besteht nämlich weiterhin darin, dass jedes Element der Grundgesamtheit die gleiche Wahrscheinlichkeit aufweist, in die endgültige Stichprobe zu gelangen. Bei unterschiedlichen Größen verändern sich die Wahrscheinlichkeiten allerdings.

Klumpenstichprobe

Die Klumpenstichprobe kann ebenfalls als zweistufiger Auswahlprozess verstanden werden. Der einzige Unterschied besteht darin, dass alle Erhebungseinheiten auf der zweiten Stufe ausgewählt werden. In einem Unternehmen, in dem man eine Befragung unter Schichtarbeitern durchführen möchte, würde man dabei auf der ersten Stufe bspw. eine bestimmte Anzahl von Schichten zufällig auswählen, um dann innerhalb dieser Schichten alle Mitarbeiter zu befragen. Bei diesem Verfahren setzt man voraus, dass die ausgewählten Klumpen, d.h. die auf der ersten Stufe ausgewählten Primäreinheiten, eine möglichst große Heterogenität aufweisen sollten. Eine Schicht, die besonders schlechte Ergebnisse hinsichtlich der Stückzahlen, der Qualität oder der Arbeitssicherheit aufweist, kann dabei das Ergebnis genauso verzerren wie eine solche, die gerade überdurchschnittliche Leistungen erzielt. Zwischen den Klumpen soll also eine hohe Homogenität herrschen, während sie in den Klumpen und damit zwischen den Elementen möglichst klein sein soll bzw. diese eine hohe Heterogenität aufweisen sollen. Man spricht auch von Klumpeneffekten, wenn diese Bedingungen nicht gegeben sind und Verzerrungen bei den Kennzeichen der Grundgesamtheit entstehen.

Geschichtete Stichprobe

Die geschichtete Stichprobe kann man ebenfalls als Spezialfall der zweistufigen Wahrscheinlichkeitsauswahl bezeichnen. Hier ist ein Merkmal oder auch eine Merkmalskombination bekannt, welche zu Schichten in der Grundgesamtheit führen. Diese Schichten sollen dann auch in den Primäreinheiten wieder gegeben sein, d.h. bezogen auf das die Schichten definierende Merkmal sind die Primäreinheiten möglichst homogen, während sie untereinander möglichst heterogen sind. Auf Basis der so charakterisierten Primäreinheiten zieht man dann auf der zweiten Stufe die gewünschte Stichprobe. Um eine repräsentative Grundgesamtheit zu erreichen, sollten dann die Anteile der einzelnen Schichten in der gesamten Stichprobe proportional zu denjenigen in der Grundgesamtheit sein. Man spricht in diesem Fall von einer proportional geschichteten Zufallsstichprobe, im anderen Fall von einer disproportional geschichteten Zufallsstichprobe. Letztere erlaubt es nicht, von der Stichprobe aus auf die Kennzeichen der Grundgesamtheit zu schließen.

Eine Gewichtung lässt sich auch später noch im Rahmen der Auswertung berücksichtigen. Dies bedeutet ganz einfach, dass bei einer Unterrepräsentierung einer Schicht oder Gruppe dieser so vergrößert wird, dass im Endergebnis der benötigte Anteil wieder erreicht wird.

Der Vorteil einer geschichteten Zufallsstichprobe liegt darin, dass man gerade bei dem für die Untersuchung interessierenden Merkmal eine sehr gute Annäherung an die tatsächlichen in der Grundgesamtheit vorhandenen Quoten erreicht. Die entscheidende Voraussetzung liegt allerdings darin, dass man überhaupt eine gesicherte Erkenntnis über diese Quoten besitzt. Es gibt allerdings durchaus eine Reihe von Merkmalen, bei denen entsprechende Informationen in sehr hoher Qualität vorliegen, nämlich genau dann, wenn es sich um Merkmale handelt, die für andere Zwecke wie bspw. die Stammdatenverwaltung erfasst und vorgehalten werden. Hier hat man dann einen recht guten Zugriff auf die Informationen der Grundgesamtheit und kann sich dann zwischen einer Zufallsauswahl und einer solchen bewussten Auswahl eigentlich sogar entscheiden. Man würde in einem solchen Fall dann allerdings der bewussten Auswahl den Vorzug geben, weil man bspw. befürchtet, dass insbesondere extreme Fälle mit geringer relativer Häufigkeit evtl. doch durch eine zu kleine Stichprobengröße nicht vollständig enthalten sein könnten.

Ausschöpfungsquote und Auswahlprobleme

Für eine erfolgreiche Untersuchung ist es von Bedeutung, die notwendige Anzahl an Befragungsteilnehmern zu erreichen. Hier gibt es eine Reihe von Herausforderungen, die allein schon beim einfachen Kontakt auftreten können und welche dann zusätzlich von solchen ergänzt werden, die nach einem erfolgreichen Kontakt auftreten können. Die übergeordnete Größe, welche für die Auswertung, die Nachkontrolle und entsprechend auch für die Theorie der Befragung existiert, ist die Ausschöpfungsquote. Sie ist definiert als der Anteil der Befragungsteilnehmer am Stichprobenumfang, d.h. der ursprünglich geplanten Menge der Teilnehmer. Diesen Anteil multipliziert man dann mit 100, um eine prozentuale Größe zu erreichen. Bei einer Stichprobengröße von 100 und tatsächlich teilgenommenen 80 Personen, erhält man entsprechend eine Quote von 80/100, d.h. 0,8 und damit 80%. Der Rest, der sich dann zu 100% ergibt, ist dementsprechend der Ausfall, er als Non-Response-Quote bezeichnet wird.

Man differenziert in diesem Bereich noch genauer:

  • Als Brutto-Ausgangsstichprobe gilt diejenige, die aufgrund eines zuvor durchgeführten Verfahrens ermittelt worden ist. Dies ist dementsprechend die geplante Stichprobe.
  • Die bereinigte Ausgangsstichprobe, die auch in der Formel zur Berechnung der Ausschöpfungsquote im Nenner erscheint, ist dann diejenige Untermenge der Brutto-Ausgangsstichprobe, welche die stichprobenneutralen Ausfälle nicht enthält.
  • Als stichprobenneutrale Ausfälle bezeichnet man diejenigen nicht befragten Teilnehmer, die aufgrund von technischen Problemen nicht an der Befragung teilgenommen haben. Dies ist maßgeblich auf „overcoverage“ zurückzuführen, d.h. Teilnehmer, die in Wirklichkeit nicht einmal zu Grundgesamtheit gehören und damit zwangsläufig auch nie für die tatsächliche Auswahl geeignet waren. Alle möglichen Gründe, die dazu führen, dass eine nicht (mehr) existente Person in der Liste erscheint, sind hier als Ursachen zu berücksichtigen.

Wie man sieht, kann ein hoher Anteil an stichprobenneutralen Ausfällen zu einer Erhöhung der Ausschöpfungsquote führen. Hier ist also immer darauf zu achten, dass nicht jede fehlende Antwort einfach als technischer Fehler deklariert wird, um ihn als stichprobenneutral zu definieren.

Schließlich bleiben noch die potenziellen Teilnehmer in der bereinigten Ausgangsstichprobe übrig, die auch tatsächlich befragt werden können. Nicht alle davon werden dann aber auch tatsächlich befragt bzw. nehmen an der Befragung teil. Man unterscheidet hier wiederum drei Gruppen bzw. auch Gründe für eine solche Nicht-Teilnahme. Diese könnte man weiter nach detaillierten Gründen der Nicht-Teilnahme differenzieren.

  • Nicht-Befragbare: In der Stichprobe aufgenommene Teilnehmer, die aufgrund von körperlichen oder geistigen Erkrankungen zum Zeitpunkt der Befragung oder dauerhaft an der Befragung nicht teilnnehmen können, werden als nicht-befragbar bezeichnet. Diese Ausfälle sind normalerweise sehr gering, wobei sie allerdings teilweise auch mit dem Untersuchungsbereich zusammen hängen können. Wenn also gerade diese Personengruppe die Zielgruppe der Befragung darstellt, dann müssen besondere Vorkehrungen getroffen werden, diesen Personenkreis in seinen tatsächlichen Lebensumständen zu erreichen und auch die Untersuchung vor dem Hintergrund ihrer Gebrechen anzupassen. In diesem Fall könnte man dann bspw. auch gesetzliche Vertreter oder das Pflegepersonal als Ersatz-Teilnehmer befragen.
  • Schwer-Erreichbare: Die wohl größte Gruppe an Mitgliedern der Stichprobe, die nicht an der Befragung teilgenommen haben, dürften wohl die schwer-erreichbaren Teilnehmer sein. Sie werden aufgrund von beruflichen (Schichtarbeit, Reisen) oder privaten (Vereinsarbeit, Sport oder aus anderen Gründen hoher Zeitanteil außerhalb der eigenen Wohnung, Reisen) Gründen nicht zuhause angetroffen. Grundsätzlich kann man hier durch wiederholte Besuche die Ausschöpfungsquote erhöhen, da man dann den Anteil der schwer-erreichbaren verringert. Allerdings hängen die Gründe für eine schwere Erreichbarkeit auch im wesentlichen Maße mit den persönlichen Lebensumständen und damit auch mit einer begrenzten Anzahl an Gründen für die schwere Erreichbarkeit zusammen. Dies bedeutet, dass es sich um einen systematischen Ausfall handelt, der auch die Repräsentativität nachteilig beeinflussen kann.
  • Verweigerer: Die für die Befragung kritischste Gruppe stellen die Personen dar, die zwar theoretisch an der Befragung teilnehmen könnten und auch angetroffen werden, aber dann ihre Teilnahme verweigern. Sollte die Verweigerungshaltung wieder systematisch sein, d.h. für das spezielle Untersuchungsgebiet mit Eigenschaften des Befragten zusammen hängen, kann man von Verzerrungen in den Daten/Ergebnissen ausgehen. Generell hat sich sowohl die Quote der Verweigerer als auch die der Schwer-Erreichbaren erhöht, evtl. durch eine stetige Zunahme an Befragungen aller Art. In Abhängigkeit vom Untersuchungsgegenstand oder der Durchführungsorganisation (Teilnahmeverpflichtung in einem Unternehmen) schwankt diese Quote erheblich. Man kann ganz einfach davon ausgehen, dass gerade dann, wenn die scheinbaren Kosten den scheinbaren Nutzen der Teilnahme (Interesse am Thema, Höflichkeit, Vemeidung von Strafe) übersteigen, die Teilnahme eher verweigert wird.

Bei den Verweigerungen kann man noch weiter differenzieren zwischen der Verweigerung einer konkreten Frage (Item-Non-Response) oder der Verweigerung an der gesamten Befragung (Unit-Non-Response). Dies führt dann zu einer anderen Quote, die in der Literatur nicht annähernd so umfangreich diskutiert wird wie die Ausschöpfungsquote. Diese geht ja immer nur von der Teilnahme an der Befragung aus. Doch auch dann, wenn ein Teilnehmer sich bereit erklärt, auch tatsächlich den Fragebogen zu bearbeiten oder das Interview durchzuführen, bekommt man nicht in allen Fällen einen vollständigen Fragebogen zurück. Der Begriff Item-Non-Response meint im engen Sinne die Verweigerung, zu einer bestimmten Frage eine Antwort zu geben. Die Begriffe Ausfüll- oder Antwortquote bezeichnen das Verhältnis zwischen bearbeiteten Fragen/Items und der Gesamtanzahl der Fragen/Items. Multipliziert man dies mit 100, erhält man die prozentuale Quote.

Allerdings ist es notwendig, die verschiedenen Varianten oder diejenigen Fälle, die man unter einer nicht beantworteten Frage subsummieren möchte, genauer zu erklären. Auch für die Auswertung ist es wichtig, sich eine Vereinfachung, d.h. Zusammenfassung von mehreren Unterarten einer Nicht-Beantwortung zur gleichen Codierung, genau zu überlegen. Man kann die folgenden Fälle differenzieren, wobei diese Liste – wie auch in den einzelnen Punkten noch einmal deutlich wird – durchaus nicht so zu verstehen ist, dass jeder einzelne von ihnen gleichberechtigt und in jedem Fall als Nicht-Beantwortung gezählt werden sollte.

  • Verweigerung einer Antwort (Item-Non-Response): Bei der Verweigerung einer Antwort bearbeitet ein Teilnehmer die entsprechende Frage gar nicht oder möchte in einem Interview diese Frage nicht beantworten. Im eigentlichen Sinn handelt es sich dabei um eine gar keine beantwortete Frage, d.h. bspw. kein Antwortfeld wurde markiert.
  • Auswahl der „Weiß nicht“-Kategorie: Im Falle einer Meinungslosigkeit können Fragen die „Weiß nicht“-Kategorie besitzen. Man kann diese Kategorie zu den nicht beantworteten Fragen zählen, wenn die wortwörtliche Bedeutung von „Weiß nicht“ wie bei einer Wissensfrage nicht im Fokus steht, sondern „Weiß nicht“ einfach nur als Standardantwort verstanden wird, die aber inhaltlich einer nicht beantworteten Frage gleich kommt. Grundsätzlich muss man hier anmerken, dass auch bei nicht wissensbezogenen Fragen ein qualitativer Unterschied vorhanden ist, wenn ein Teilnehmer eine Frage gar nicht beantwortet oder alternativ die „Weiß nicht“-Kategorie auswählt. Im letzteren Fall war eine grundsätzliche Antwortbereitschaft zu erkennen, im ersten Fall dagegen nur eine Verweigerungshaltung.
  • Auswahl der „Teils-Teils“-Kategorie: Mit einem sehr engen Verständnis von fehlenden Antworten und damit nicht beantworteten Fragen könnte man sogar eine „Teils-Teils“-Antwort nicht nur als neutrale Antwort, sondern sogar als Nicht-Beantwortung sehen. Dies wird deutlich seltener vorkommen als die Zuordnung der „Weiß nicht“-Kategorie zu den unbeantworteten Fragen und kollidiert auch mit der tatsächlichen Antwort, in der man ausdrücken möchte, dass die eigene Meinung tatsächlich im durchschnittlichen Bereich liegt.
  • Auswahl der „Sonstiges“-Kategorie: In einer ebenfalls engen Sicht der unbeantworteten Frage lässt sich auch die „Sonstiges“-Antwort, sofern keine weiteren Text-Antworten möglich oder vorhanden sind, als Nicht-Beantwortung einstufen. In diesem Fall wäre allerdings „Sonstiges“ im Sinne von „Weiß nicht“ zu verstehen, denn die vorgegebenen Antworten sind alle nicht ausreichend oder können nicht als tatsächliche Antwort verwendet werden. Allerdings ist ein qualitativer Unterschied zu erkennen: Eine „Sonstiges“-Antwort ist manchmal auch eine Antwort im Stil „Sonstiges, und zwar“, bei der man in einem Freitextfeld seine eigenen Antworten eintragen kann. Dies zeigt, dass tatsächlich die vorgegebenen Kategorien nicht ausreichten. Ist „Sonstiges“ dagegen nur eine Standard-Antwort, dann liegt der Unterschied zu „Weiß nicht“ darin, dass man sehr wohl eine Antwort auf die Frage weiß, diese aber in den vorgegebenen Kategorien nicht finden kann. In den seltensten Fällen dürften allerdings sofort „Weiß nicht“ wie auch „Sonstiges“ zu finden sein, um diese feinen Unterschiede auch für den Teilnehmer anzubieten.

Betrachtet man die gesammelten Daten nur als reinen Wertespeicher für Auswertungen, deren Thema sehr auf die ausgewählten Antworten ohne die neutralen oder fehlenden Antworten zugeschnitten ist, dann sind selbstverständlich alle fehlenden Antworten sowie die neutralen oder sonstigen Antwort uninteressant. Allerdings empfiehlt es sich, sehr deutlich zu untersuchen, ob einer der folgenden Fälle eingetreten ist. Es ist eine sehr vereinfachte Abbildung der eingegangenen Antworten, wenn man tatsächlich für alle vier der gerade beschriebenen Fälle pauschal eine Nicht-Beantwortung codiert, d.h. sie alle zu einem einzigen Fall zusammenfasst.

  • Gibt es Teilnehmer, deren Antworten konsequent nicht die vorgegebenen Antworten treffen, sondern die immer „Weiß nicht“, „Sonstiges“ oder „Teils-Teils“ ausgwählt haben? - Selbstverständlich kann man nicht nur diejenigen Fälle suchen, in denen wirklich jemand ausschließlich vermieden hat, andere Antworten zu geben. Auch unsinnige Antworten, die bspw. Antworten bei Kontrollfragen völlig widersprechen, können einen Rückschluss darauf liefern, dass solch ein Teilnehmer absichtlich das Befragungsergebnis verzerren möchte. Es ist nicht so wichtig, dass wirklich alle Fragen so beantwortet werden, sondern dass dies überdurchschnittlich und auffällig oft geschehen ist. Die Gründe für diese Verzerrung können mannigfaltig sein, lassen sich aber ggf. erahnen oder sogar aufdecken, wenn dieses Verhalten in der Befragung häufiger zu beobachten ist.
  • Gibt es Fragen, deren Antworten besonders häufig mit einer neutralen Antwort oder gar nicht beantwortet worden sind? – Eine solche Situation sollte man noch weiter untersuchen und evtl. mit anderen Eigenschaften der Teilnehmer, die sich möglicherweise decken, untersuchen. In diesem Fall kann es sich um einen Protest oder einfach nur um ein Problem handeln, welches mit der Frageauswahl und den Teilnehmern zu tun hat. Eine solche Frage kann für die entsprechenden Nicht-Beantworter schlichtweg weder relevant oder sonstwie nicht beantwortbar sein. Sie kann aber als Frage gesehen werden, die Protest provoziert, der ein ergänzendes oder zusätzliches Phänomen darstellt, das auch im Rahmen der Untersuchung betrachtet werden muss.
  • Gibt es Zusammenhänge zwischen den Antworten auf Kontrollfragen und den neutralen Antworten oder nicht beantworteten Fragen? – In dieser Kategorie lassen sich auch verschiedene Unterarten und Kombinationen der Elemente der beiden vorherigen Punkte sehen. So kann man die Häufigkeit der genauen ausgewählten neutralen Antwort oder der fehlenden Antwort für sich alleine betrachten oder in Kombinaton mit sonstigen Merkmalen der Befragungsteilnehmer sowie den Antworten auf Kontrollfragen. Dies sind dann alles weiter gehende und sehr genaue Untersuchungen von Antwortverzerrungen, die bei signifkant hohem Auftreten auch Hinweise für das untersuchten Phänomen oder sonstige Rahmenbedingungen liefern.

Schließlich stellt sich die Frage, mit welchen Techniken die geschilderten allgemeinen und speziellen Probleme gelöst werden können. Ganz grundsätzlich ist es notwendig, schon durch den Fragebogen und seine Ankündigung, seine Einstiegsseite und seinen Fragenkatalog ein allgemeines Interesse an der Teilnahme bei den potenziellen Teilnehmern zu wecken. Dies erfordert es, entweder bei der direkten Konfrontation des angesprochenen Teilnehmers sofort den Sinn und die Vorgehensweise der Befragung, die Art der Datenverwertung und die Begründung, warum gerade er ausgewählt wurde, zu erklären oder bei einer elektronischen und internetbasierten Befragung vorab durch E-Mails und Erläuterungen im Internet über die Untersuchung aufzuklären.

Der Fragenkatalog muss dann auch gängige Techniken der guten Fragebogenkonstruktion einsetzen. Dies betrifft zum einen solche methodisch einfachen Elemente wie interessante Einstiegsseiten wie auch komplexe Werkzeuge wie Kontrollfragen zur Entdeckung von Antwortverzerrungen. Bei elektronischen Fragebögen kann man auch durch eine interessante Optik sowie innovative Elemente der Antwortgestaltung den Teilnehmern ein interessantes Erlebnis vermitteln. Insbesondere solche eher komplexen Fragebogen-Elemente muss man natürlich in Abstimmung mit der Zielgruppe auswählen und einsetzen.

Bei einem Interview ist es dann notwendig, zusätzlich auch den Interviewer zu schulen, möglichst neutral, aber dennoch freundlich und zuvorkommend, nichtsdestoweniger aber auch ein klein wenig drängend auf potenzielle Teilnehmer zuzugehen, um sie erstens zur Teilnahme und zweitens auch zu einer engagierten Datenerhebung zu führen. Wie immer liegt auch hier das optimale Verhalten in der Mitte zwischen Verhaltensextremen (belästigend oder schüchtern).

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