Unternehmen operieren also heute in einem im Vergleich zur Vergangenheit vergrößerten Marktumfeld, sodass also auch die generelle Bedrohung durch externe Einflussfaktoren aus diesem vergrößerten Marktumfeld stammt. Für ohnehin schon international tätige Unternehmen hat sich diese Entwicklung vermutlich nur als allgemeine Wettbewerbsverschärfung ausgenommen, die möglicherweise aufgrund der für eine von vornherein international ausgerichtete Unternehmenstätigkeit sogar vorteilhaft beeinflusst wurde, da diese Unternehmen bereits in der Vergangenheit gelernt haben, die notwendigen Technologien für die auf großen, internationalen Märkten ausgerichtete Unternehmensführung proaktiv einzusetzen. Bei kleineren Unternehmen jedoch lassen sich auch Widerstände beobachten, sich dieser Aufgabe zu stellen bzw. sie auch anzunehmen und im günstigsten Fall in die Unternehmensstrategie mit einzubeziehen.
Wir beziehen uns hier dabei insbesondere auf eher familien- bzw. inhabergeprägte mittelständische Unternehmen, bei denen Entscheidungen, ein vielleicht schon seit Generationen angestammtes geografisches Marktumfeld zu verlassen, nicht von heute auf Morgen getroffen werden, sondern evtl. nur im Rahmen eines aufgrund eines Generationenwechsels begründeten Strategieumschwungs oder vor dem Hintergrund einer erlahmenden Erfolgskurve als Chance und nicht nur als Risiko wahrgenommen werden. Es sind selbstverständlich auch zahlreiche Unternehmen und insbesondere Unternehmer in dieser Kategorie zu finden, die schon seit zwei Generationen auch Standorte in anderen Gebieten der Erde unterhalten und von den technologischen Veränderungen der letzten zehn oder fünfzehn Jahre in diesem Expansionsstreben eher unterstützt und beflügelt werden.
Noch genauer beziehen wir uns auf den typischen Erstkunden, der ein unternehmensweites Berichtswesen (Reporting) als Basis-Lösung für Business Intelligence erstmalig einführt oder der nach dieser Einführung erweiterte Methoden wie Data Mining nutzen will. Wir behaupten, dass ohne diese entsprechenden Methoden überhaupt gar keine moderne Unternehmenssteuerung denkbar ist. Konnte man sich in der Vergangenheit vielleicht noch in dem Glauben wiegen, dass durch in beliebigen Dimensionen (rechtlich, geografisch, politisch, technologisch) abgeschottete Märkte eine Art Schutzwall um das Unternehmen und sogar um den eigenen Markt gezogen war, so ist dieser Glaube nicht mehr angemessen. Diese Erstkunden fallen typischerweise in eine Kategorie, in der die folgenden Bedingungen gegeben sind. Die Auswahl der Eigenschaften ist aus Erfahrungswerten vergangener Projekte im Bereich BI-Einführung und auch Befragung abgeleitet.
Die Abbildung greift noch einmal die zuvor genannten drei Aspekte auf, gliedert sie aber in die beiden Teilbereiche Psychologie des Unternehmens und Technische Infrastruktur. Sie sollen unterstreichen, dass ein erfolgreicher Einsatz von BI-Techniken gleichermaßen gewisse Werkzeugen und Technik erfordert, aber insbesondere auch die korrekten Methoden und bestehenden Annahmen über Märkte und die gegebenen Prozesse diesen Erfolg begünstigen oder bislang sogar verhindert haben.

Erstkunden in diesem Bereich stellen oftmals fest, dass die bislang so gesicherten und korrekten Annahmen über die zukünftige Entwicklung des Markterfolgs nicht mehr zutreffen und in einzelnen Teilaspekten korrigiert werden müssen. Sie stellen ggf. erstmals fest, dass sie überhaupt ein Weltmodell mit ungesicherten und nicht verifizierten Annahmen besaßen, das nun zur Revision steht, wobei aber gleichzeitig die nötigen Techniken fehlen, um diese korrekt vorzunehmen. Bislang war es möglicherweise auch nicht notwendig, das im Unternehmen vorhandene Wissen über Prozesse, Kunden-/Lieferantenstrukturen, Gegebenheiten außerhalb des Unternehmens in rechtlicher, wirtschaftlicher oder technologischer Dimension in möglichst viele Unternehmensentscheidungen einzubeziehen. Man kann nicht pauschal sagen, dass hier eine Weigerung stattgefunden hat, analytische Vorgehensweisen, wie sie andere Unternehmen einsetzen, auch im eigenen Hause einzuführen. Es ist auch vorstellbar, dass schlichtweg die Notwendigkeit gefehlt hat, diesen Bereich berührende Praktiken zu nutzen, weil der Unternehmenserfolg grundsätzlich immer gegeben war und bspw. erst in jüngster Zeit entweder allgemeine Expansionsbestrebungen bestehen oder Einbrüche im Geschäftserfolg zu beobachten waren.
Erstkunden stellen auch regelmäßig fest, dass der Aspekt der technischen Infrastruktur oftmals generell im IT-Bereich vernachlässigt wurde und nun gleichzeitig mit einer erlahmenden Geschäftstätigkeit zu neuen Ausgaben führen kann. Man kann zunächst immer davon ausgehen, dass ein Teil der Daten, die für einen BI-Prozess notwendig sind, ohnehin nicht nur im Unternehmen schon vorhanden sind, sondern auch für die Planung und die allgemeine Steuerung des Unternehmens aufbereitet werden. Dazu kommt, dass ein Großteil der interessanten Prozessdaten aus einem ERP- oder dem betrieblichen Rechnungswesen stammt, welches ohnehin auch aus steuerlichen und finanziellen Gründen eingeführt und genutzt werden kann. Lediglich der Datenabruf und ihre Aufbereitung, um diese Daten erweitert statistisch auswerten zu können, stellen dann noch eine eigene Aufgabe dar. Hier ist auch oft zu beobachten, dass Abteilungen eigene Insellösungen mit den gängigen Büroanwendungen wie MS Access-Datenbanken oder MS Excel-Kalkulationen geschaffen haben. Sie zeigen immer, wie notwendig tatsächlich eine fortgeschrittene regelmäßige Datenauswertung ist, haben aber als Lösung noch nicht den Sprung zu einem vereinheitlichen unternehmensweiten Reporting vollziehen können. Die vorhandenen Lösungen können trotz ihrer Konzentration auf Teilaspekte in einer Synopse für die Planung und den endgültigen Aufbau eines umfassenden BI-Systems genutzt werden.
Allein durch die steuerlichen und gesetzlichen Anforderungen ist in jedem Unternehmen wenigstens ein auf steuerlichen und finanziellen Aspekten ausgerichtetes Berichtssystem installiert. Dieses ergänzt man oftmals um spezielle Auswertungen für die Ermittlung von Tendenzen oder sogar um die Errechnung von Kennzahlen, wobei im Regelfall auch diese Daten alle aus den aufbereiteten Finanzdaten stammen, die eher für die Steuer- oder Handelsbilanz sowie ggf. die kreditgebende Bank aufbereitet und entsprechend auch im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten und bilanzrechtlichen Spiel- und Ermessensräume optimiert werden. Bei einem produzierenden Gewerbebetrieb gibt es neben diesen buchhalterischen Daten auch noch eine umfangreiche Fülle an Daten, die für die Planung und Steuerung der Produktion sowie damit in Zusammenhang stehenden Bereichen wie Lager und Beschaffung gesammelt, strukturiert und aufbereitet werden.
Diese Daten werden alle in der Abbildung unter dem Stichwort Daten aus Leistungserstellung zusammen gefasst. Sie fallen in jedem Unternehmen an und werden auch in jedem Unternehmen, das hier im Brennpunkt der Betrachtungen steht, bereits in einem weitestgehend standardisierten Prozess für die Beurteilung der Unternehmenssituation verwendet. Es kann sein, dass die Strukturierung der Berichtslegung im Wesentlichen durch das genutzte ERP-/FiBu-System vorgegeben ist. Dies bedeutet, dass auch in einem solchen Fall bei Weitem nicht alle Möglichkeiten schon ausgereizt werden, um weiteres Wissen aus den vorhandenen Daten zu gewinnen.

Als weitere Aspekte und in ihrer Zusammenfassung lassen sich nun die folgenden vier Datenquellen kennzeichnen:
Für die Ableitung von neuem Wissen ist eine Reihe von Aufgaben erforderlich, die unterschiedlich beurteilt und beschrieben werden. Hier soll insbesondere immer wieder der Aspekt betont werden, dass man zwischen zwei deutlich voneinander unterscheidbaren Arten von Daten sprechen kann:
Es lässt sich darüber hinaus auch noch unterscheiden, ob die extra beschafften Informationen eher auf zufälligem Wege in den Prozess der Datenverarbeitung gelangt sind oder ob sie tatsächlich geplant und daher systematisch gesammelt worden sind. Die Aufnahme von zufälligen Daten ist durchaus nicht zu unterschätzen, denn ein zu stark systematisierter und strukturierter, d.h. in seiner negativen Form auch zu stark reglementierter Datensammlungsprozess, kann es verhindern, dass die tatsächlich relevanten Informationen überhaupt erkannt und dann auch verarbeitet werden. Man geht bei einem solchen Bild davon aus, dass die Umwelt beliebige Störsignale senden kann, die erst durch einen Filter- und Bewertungsvorgang überhaupt zur eigentlichen Verarbeitung zugelassen werden. Hier besitzt das Unternehmen eine Datensammlungsstelle, die zunächst generell in bestimmten Kanälen nach möglicherweise relevanten Daten sammelt, die dann erst vorverarbeitet werden. Die Strukturierung und Systematisierung dieses Vorgangs liegt dann im Bereich der Vorverarbeitung und weniger in der bewussten Beschaffung von Daten.
In beiden Fällen können auch strukturierende Fragemasken zum Einsatz kommen, die einer Befragung durchaus in vielfältiger Weise entsprechen können. Dies ist einer der Grundüberlegungen bei der Nutzung von Befragungssoftware oder der Einführung eines bewussten zusätzlichen Datensammlungsvorgangs, welcher die Hemisphäre der ohnehin verfügbaren Informationen aus dem Leistungserstellungsprozess verlässt. In dieser eher auf unscharfe Signale der Unternehmensumwelt ausgerichteten Suche ist zunächst noch nicht klar, was man eigentlich für Daten sucht, doch das Procedere, wie mögliche relevante Daten erhoben werden und wie die Relevanz der Daten überhaupt erkannt wird, ist durchaus strukturiert.
In beiden Fällen ist auch davon auszugehen, dass zusätzliche Kosten entstehen, die bei einer einfachen Verwendung der ohnehin anfallenden Daten aus der Leistungserstellung nicht angefallen wären.
Die Aufgaben im Bereich der Datenerfassung lassen sich also in folgende Kategorien einteilen:
Die dargestellten Aufgaben entsprechen auf der einen Seite einer nahezu vorgegebenen Schrittfolge, die man in vielfältiger Weise feiner unterteilen kann und in der sicherlich auch alternative Teilschritte oder sogar ganze optionale oder alternative Teilwege zu beschreiben sind. Bedeutsam sollen an dieser Stelle jedoch ausschließlich die groben Meilensteine sein, die auch noch einmal in einer grafischen Aufbereitung dargelegt werden.

Wichtig ist die Feststellung, dass im Bereich der Datengewinnung der Fokus der in diesem Abschnitt angestellten Überlegungen liegt. Die Aufbereitung und Auswertung sowie auch der gesamte Kreislauf des Business Intelligence, der wie schon oben erwähnt auch mit unterschiedlichen Teilschritten oder Gewichtungen einzelner Teilaspekte und aufgaben gezeichnet und beschrieben werden kann, baut natürlich zuallererst auf den Daten auf, die ihm zur Verfügung stehen. Davon hängen auch die Methoden ab, die aus einem großen Spektrum ausgewählt werden können. Des Weiteren bestimmen die Daten zwangsläufig die Erkenntnismöglichkeiten, d.h. die Bandbreite an Erkenntnissen in qualitativer und quantitativer Hinsicht.
