Setzt man die Befragung als Mittel für die Datenbeschaffung ein und
verbindet man die so ermittelten Daten mit anderen Daten, die bereits
vorliegen oder die aus anderen Quellen extra für die kombinierte
Auswertung beschafft wurden, so muss man akzeptieren, dass man sich der
empirischen Sozialforschung bedient und damit auch ein bestimmtes
Wissenschaftsverständnis akzeptiert. Es ist hier für Projektbeteiligte
notwendig, sich damit auseinander zu setzen, dass weder die
Datenbeschaffung noch die spätere Auswertung schon gar nicht eine
erklärende, deutende oder prognostizierende Auswertung auf Basis der
Befragungsdaten vor dem Hintergrund schon existierender oder schlichtweg
nur weiterer Daten eine reine Arbeit im Bereich Datenverarbeitung ist.
Es handelt sich bei einem ernst betriebenem Projekt und einem echten
Interesse an einem Erkenntnisgewinn in Wirklichkeit um ein
wissenschaftliches Projekt, welches auch auf eine angemessene Weise
geplant, durchgeführt und nachträglich ausgewertet werden sollte.
Dieses Kapitel legt einige wesentliche Bausteine, um verschiedene Begriffe, die sich insbesondere aus dem Blickwinkel der Modell- und Theoriebildung ergeben, zu verstehen und voneinander abzugrenzen.
Unabhängig davon, ob eine wissenschaftliche oder forschende Arbeit im
Bereich der Sozialwissenschaften oder im Bereich der Naturwissenschaften
angesiedelt ist, kann man davon ausgehen, dass man als Hauptinteresse für
ein Tätigwerden auf diesem Gebiet einen Erkenntnisgewinn über die
Phänomene, Ereignisse und Strukturen in der Natur oder in der
zwischenmenschlichen Interaktion angeben würde. Bei sozusagen
hauptberuflich forschenden Akteuren muss man nicht davon ausgehen, dass
auch eine wie auch immer geartete praktische Verwertung der abgeleiteten
Ergebnisse im direkten Anschluss an die forschende Arbeit erfolgt oder
diese originär überhaupt erst motiviert hat. Bei einem Unternehmen das
eine Untersuchung erst in einem externen oder internen Projekt in Auftrag
gibt, ist es allerdings sehr wahrscheinlich, dass durch den eher
investiven Charakter, den ein solches Vorhaben mit sich bringt, auch eine
praktische Nutzung der Ergebnisse ansteht. Dies bedeutet, dass nicht nur
eine Beschreibung über den Ist-Zustand der sozialen Gegebenheiten und der
inneren Verbundenheit der untersuchten Objekte das Ziel ist, sondern
vielmehr die Motivation im Vordergrund steht, die Ergebnisse dafür zu
nutzen, unternehmerische Ziele mittels Planung und Manipulation der
erforschten Objekte zu erreichen. Es soll also eine Gestaltung der Umwelt
erfolgen.
Um beide Ziele zu erreichen, ist es eine unbedingte Voraussetzung, dass man auch wahre Erkenntnisse ermittelt oder wenigstens solche, die für eine Zeitlang als wahr gelten können, da noch keine anderen Erkenntnisse vorliegen. Diese Wahrhaftigkeit lässt sich nur dann erreichen, wenn alle Beteiligten am Wissenschaftsprozess die Vorgehensweise, die eingesetzten Techniken, Verfahren und Methoden, welche die Erkenntnisse befördert haben, auch nachvollziehen können. Da eine nachvollziehbare Leistung auch die Gelegenheit zum Vergleich und zur Qualitätskontrolle bietet, ist eine Anwendung von eben nachvollziehbaren und kritisierbaren Prozessschritten in Wirklichkeit auch im Interesse der forschenden Partei, denn sie kann mögliche übersehene Fehler, Ungereimtheiten und ungünstig gewählte Durchführungsstrategien ebenfalls erkennen, in Zukunft vermeiden und die Ergebnisse entweder angemessener interpretieren oder muss sich sogar frühzeitig von den scheinbar wahren Erkenntnissen verabschieden.
Bis jetzt wurde immer nur davon gesprochen, dass im Rahmen einer
Befragung zusätzlich externe Daten gesammelt würden, welche entweder als
alleinige Datenbasis für eine Untersuchung bereit stünden oder sogar in
Kombination mit weiteren Daten, die bereits aus allgemeinen Gründen der
Betriebsführung wie bspw. den Daten aus der FiBu oder der
Materialplanung/-verwendung permanent erhoben werden, ausgewertet würden.
Insbesondere unter dem Blickwinkel, dass die Daten aus einer Befragung in
Kombination mit weiteren Daten analysiert werden bzw. dass überhaupt
zunächst nicht aus der gleichen Quelle stammende Daten zueinander in
Beziehung gesetzt werden, um dann ein auf beiden Basen aufbauendes
Ergebnis zu erhalten, zeigt, dass die Zielsetzung einer Berichtslegung
durchaus noch sehr viel größere Anforderungen an die eingesetzten
Methoden haben kann als eine bloße beschreibende Gegenüberstellung oder
simple Aufbereitung.
